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Bernhard
Bueb war über 30 Jahre Leiter der Schulen Schloss Salem. 2005 ging in
den Ruhestand und zog eine Bilanz seiner pädagogischen Erfahrungen, die
gleichzeitig eine Analyse der gegenwärtigen Bildungssituation in
Deutschland ist. „Die Kunst der Erziehung haben wir verlernt“, ist sein
wesentliches Fazit. „Es gibt keinen Konsens mehr darüber, wie man Kinder
und Jugendliche erzieht, mit der fatalen Folge, dass viele Eltern
verunsichert sind. An dieser Unsicherheit leiden Kinder, Jugendliche und
Erwachsene gleichermaßen.“ Allerdings liegt es eindeutig bei den
Erwachsenen, diese verhängnisvolle Tendenz zu wenden. Und ein
unverzichtbares Element dabei ist die Disziplin.
Einer seiner Kernsätze lautet: „Freiheit erwirbt man durch Disziplin.“
Denn Freiheit, so Bueb, ist mehr als Unabhängigkeit, sie bezeichnet den
Willen und die Fähigkeit, sich selbst ein Ziel zu setzen, dieses Ziel an
moralischen Werten auszurichten … Selbstbestimmung ist der Begriff
dafür.“ Der Weg dahin führt über die Selbstdisziplin. Die Frage kann
also nicht lauten „Frei wovon?“, sondern muss heißen „Frei wofür?“.
Daraus folgt unausweichlich der Schluss, dass Erziehung immer eine
Werteerziehung ist. Dabei gelten durchaus die Werte der Aufklärung, die
aber nichts anderes als säkularisierte christliche Werte sind.
Wenn Bueb die Verquickung von Disziplin und Gehorsam einschließlich des
Respekts vor Erwachsenen auf der einen Seite und der Selbstachtung der Kinder
auf der anderen verlangt, fordert er einen schwierigen Spagat. Bueb
sieht ihn aber, basierend auf der liebevollen Zuwendung und der
Autorität der Erwachsenen, gelingen. Damit berührt er sicher
eines der größten Probleme jeder Erziehung, denn nicht alle Pädagogen oder
Eltern verfügen über eine aus der Persönlichkeit erwachsene Autorität.
Wenn darüber hinaus keine tradierten Autoritätsmuster akzeptiert werden,
wird es mit dem geforderten Respekt und der darauf beruhenden
Disziplin um so schwieriger. Dann kommt es wohl zuerst einmal auf die
Selbstdisziplin der Erwachsenen an.
Eindeutig
fällt seine Fürsprache für die Verbindung von Familie und Beruf aus:
"Wir haben den ersten Schritt getan und erziehen Mädchen für ein Leben
im Beruf. Jetzt müssen wir auch den zweiten Schritt tun und den Frauen
ermöglichen, ihren Beruf auszuüben. Frankreich kennt bereits seit 1880
die flächendeckende Versorgung mit Ganztagseinrichtungen vom ersten
Lebensjahr an. Niemand wird Frankreich für ein familienfeindliches Land
halten."
Alles in allem:
Wer mit Kindern, Bildung und Erziehung zu tun hat oder sich dafür
interessiert, kommt an einer Auseinandersetzung mit Buebs Thesen und
seinem Plädoyer für eine Erziehung zu mehr Selbstdisziplin und
Verantwortung nicht vorbei.
Bernhard
Bueb: Lob der Disziplin - Eine Streitschrift, List Verlag, 2006,
ISBN 3-471-79542-1, 18,00 €
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