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Es
gibt
Bücher,
über
deren
Sätze
hastet
man
nahezu
achtlos
hinweg,
um
Verlauf
und
Ausgang
eines
Geschehens
möglichst
schnell
zu
erfahren.
Andere
dagegen
langweilen,
ja
quälen
bisweilen
durch
Inhalt
und
Ausdrucksweise
so
sehr,
dass
sie
allenfalls
unter
dem
Druck
beruflichen
Zwanges
zu
Ende
gelesen
werden.
Manchmal
aber
gibt
es
auch
Geschichten,
die
vor
allem
durch
die
Sprache
in
ihren
Bann
ziehen
und
so
faszinieren,
dass
ganz
aufmerksam
gelesen
wird,
um
die
Wortkompositionen
bewusst
aufzunehmen.
Wortkompositionen,
die
selbst
noch
triviale
Ereignisse,
banale
Situationen
und
triste
Empfindungen
eher
unspektakulär
und
doch
so
treffgenau
aufzuzeigen
und
transparent
zu
machen
verstehen,
dass
sogar
das
Lesen
des
Trivialen,
Banalen
und
Tristen
aufschlussreich
ist.
Bisweilen
stellt
sich
dabei
der
gedachte
Kommentar
"Ja,
genau
so
ist
es"
ein. Die
Erzählungen
von
Judith
Hermanns
Buch
"Nichts
als
Gespenster"
gehören
zur
letzten
Kategorie.
Hermanns
Sprache
und
Erzählstil
sind
wohltuendes
Ereignis,
ganz
besonders
im
Vergleich
zeitgenössischer
Literatur.
Und
wenn
hier
und
da
auch
mal
eine
Formulierung
fragwürdig
gerät:
Schwamm
drüber,
es
hat
wenig
Bedeutung
angesichts
des
verbalen
Gesamtkunstwerkes.
Wenn
dennoch
am
Ende
des
Buches
keine
ungetrübte
Freude
zurückbleibt,
so
liegt
es
also
nicht
an
der
Art,
wie
erzählt
wird,
wie
Menschen
und
Ereignisse
dargestellt
werden.
Sondern
an
den
Menschen
selbst,
die
die
Geschichten
bevölkern.
Je
nach
Mentalität hat
entweder
die
kokettierend
abgeklärte
Melancholie
der
Ich-Erzählerin
auf
das
Gemüt
des
Lesers,
der
Leserin
übergegriffen
oder
aber
es
wurde
im
Gegenteil
Abwehr
geweckt,
zunehmend
der
Ärger
geschürt
über
den
allzu
matten
Handlungswillen
und
die
eigenartige
Unberührbarkeit
von
Hermanns
literarischem
Personal.
Die
Erzählungen
machen
uns
zu
Zeugen
eines
merkwürdig
leblosen
Lebens.
Im
letzten
Jahrhundert
sprach
man
von
Fin-de-Siècle-Dekadenz
und
vom
morbiden
Charme
der
Bourgeoisie.
Zu
Beginn
dieses
Jahrhunderts
kann
eher
von
larmoyanter
Übersättigung,
globaler
Partytristesse
oder
orientierungsloser
Selbstfindungsmanie
die
Rede
sein.
Erst
mal
eine
Zigarette
rauchen.
Vielleicht
findet
sich
ja
dann
doch
noch
ein/e
neue/r
Partner/in
oder
gar
der
Sinn
des
Lebens
in
irgendeinem
Winkel
irgendeiner
Lifestyle-Wohnung
dieser
Welt.
Das
ist
jedoch
weniger
der
Autorin
anzulasten,
gleichgültig,
ob
sie
selbst
diese
Einstellung
des
"Und
eigentlich
ist
es
mir
alles
auch
egal"
teilt
oder
nicht.
Was
sie
so
gekonnt
offenzulegen
versteht,
beim
Lesen
außerordentlich
intensiv
spüren
lässt,
ist
ein
bestimmtes
Lebensgefühl.
Das
Lebensgefühl
zwar
nicht
einer
ganzen
Generation,
aber
doch
eines
großen
Teils
der
heute
etwa
Dreißigjährigen.
Materiell
abgesichert,
überdrüssig-gelassen,
melancholisch-indifferent,
lustvoll-standortlos, weltläufig
informiert
und
bei
all
dem
eigenartig
unberührt
und
ziellos.
Judith
Hermanns
Verdienst
ist
es,
in
die
Seelenwelten
dieser
"alten
Kinder"
(wie
die
Mutter
anlässlich
des
dreißigsten
Geburtstages
der
Ich-Erzählerin
es
in
der
hervorragenden
Erzählung
"Aqua
Alta"
nennt)
eintauchen
zu
lassen,
sie
transparent
zu
machen.
Und
das
ist
nicht
wenig.
Weitergehende
Rezension
auf
Anfrage
>>>
Textauszug: Ich
bin
mit
Johannes
in
Paris
gewesen
und
in
Bern
und
Bremerhaven
und
Zürich.
In
Paris
und
in
Bern
war
ich
zu
Gast
bei
einer
seiner
Ausstellungseröffnungen,
ich
hatte
die
Katalogtexte
geschrieben
und
stand
eine
Stunde
lang
mit
einem
Glas
Sekt
an
der
Heizung,
bevor
ich
zurück
ins
Hotel
ging,
am
nächsten
Tag
wieder
abreiste,
nach
Hause
oder
irgendwohin.
Nach
Bremerhaven,
wo
er
in
den
ersten
Jahren
lebte,
fuhr
ich,
um
ihn
zu
sehen,
um
ihn
wiederzusehen
und
endlich
zu
sagen,
was
ich
sagen
wollte,
und
natürlich
sagte
ich
nichts
und
gestand
nichts,
und
es
passierte
gar
nichts.
In
Zürich
war
ich
die,
die
er
liebte
oder
zu
lieben
glaubte,
und
wir
lagen
in
der
Nacht
in
einem
Hotelzimmer
im
Rotlichtviertel
auf
einer
ausgezogenen
Couch
nebeneinander,
und
ich
drehte
mein
Gesicht
zur
Wand
und
legte
den
Arm
auf
den
Kopf,
und
er
fing
an
zu
weinen
und
sagte
>>
Du
bist
grausam<<,
was
ich
nicht
war.
In
Karlovy
Vary
war
ich
ihm
nichts,
und
er
war
mir
auch
nichts,
also
waren
wir
endlich
Freunde,
und
nur
heute
will
ich
vielleicht
wissen,
ob
wir
das
wirklich
sein
wollten.
...............................
Ich
dachte,
über
irgendetwas
sollten
wir
sprechen,
es
ist
noch
nicht
spät,
wir
können
noch
nicht
schlafen
gehen,
wir
müssen
noch
ein
wenig
so
beieinander
sitzen.
Und
eigentlich
war
es
mir
auch
egal,
ich
war
dankbar
dafür,
dass
es
mir
egal
war.
Ich
dachte
daran,
wie
bang
und
zittrig
ich
hier
sitzen
würde,
wenn
ich
ihn
noch
lieben,
wenn
ich
mich
ihm
zeigen
wollen
würde,
mich
nach
ihm
sehnte,
ich
sehnte
mich
nicht
nach
ihm. <<<
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Autorenportrait: Judith
Hermann
wurde
1970
in
Berlin
geboren.
Nach
einer
journalistischen
Ausbildung
und
einem
Zeitungspraktikum
in
New
York
erhielt
sie
1997
das
Alfred-Döblin-Stipendium
der
Akademie
der
Künste.
1998
erschien
ihr
erstes
Buch
"Sommerhaus,
später",
dem
eine
außergewöhnliche
Resonanz
zuteil
wurde.
Im
selben
Jahr
wurde
ihr
der
Literaturförderpreis
der
Stadt
Bremen
zuerkannt,
1999
der
Hugo-Ball-Förderpreis
und
2001
der
Kleist-Preis.
Judith
Hermann
lebt
und
schreibt
in
Berlin.
Das
Buch
"Nichts
als
Gespenster"
hat
sie
ihrem
Sohn
Franz
gewidmet.
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Judith
Hermann:
Nichts
als
Gespenster
Erzählungen,
S.
Fischer
Verlag,
320
Seiten,
Gebunden
ISBN:
3-10-033180-X
www.s-fischer.de/
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