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Wenn
einer
eine
Reise
tut,
dann
kann
er
was
erzählen!
Für
diese
gesicherte
Volksweisheit
liefert
Wladimir
Kaminer
in
seinem
neuen
Buch
mannigfache
Beweise.
Und
was
er
alles
erzählen
kann!
Spielt
es
da
eine
Rolle,
dass
seine
Reisen,
Individualtourismus
in
Reinkultur,
nicht
immer
mit
dem
Auto,
der
Eisenbahn
oder
dem
Flugzeug
unternommen
werden?
In
der
Vorbereitungsphase
und
mittels
der
Vorstellungskraft,
die
sich
nicht
selten
aus
den
Erlebnissen
und
Ratschlägen
von
Bekannten
speist,
werden
die
ersehnten
Reiseziele
oft
bereits
so
intensiv
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a
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n,
dass
sich
das
H
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n
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schließlich
erübrigt.
Kaminer
offenbart
mit
stilistischer
Schwerelosigkeit
so
viel
Unerwartetes,
Überraschendes
und
Unbekanntes
über
Paris,
Amerika,
Dänemark,
die
Krim
und
Sibirien
-
und
nicht
zuletzt
seine
Wahlheimat
Berlin,
dass
der
Leser
mit
vielen
völlig
neuen
Erkenntnissen
und
Einsichten
so
manchen
Winkel
dieser
Welt
mit
anderen
Augen
sehen
muss,
staunend,
augenzwinkernd.
Die
anscheinend
so
seltenen
skurrilen
Typen
und
kuriosen
Situationen
sind
wohl
so
selten
gar
nicht,
nur:
Kaminer
hat
einen
Blick
dafür.
Und
kann
sie
dermaßen
lakonisch
pointiert
und
mit
absolut
trockenem
Witz
beschreiben,
dass
seine
Geschichten
derzeit
ohne
wirklichen
Vergleich
existieren
können.
Wahrscheinlich
liegt
es
mit
daran,
dass
er
vor
zehn
Jahren
noch
kein
Wort
Deutsch
verstand,
geschweige
denn
schrieb.
So
verfügt
er
nicht
nur
über
eine
ganz
eigene
Sichtweise
-
die
eines
inzwischen
in
Deutschland
beheimateten
und
im
Literaturbetrieb
und
in
der
deutschen
Sprache
etablierten
Russen.
Er
kann
auch
Zugänge
zu
Menschen
und
Szenen
bieten
-
beispielsweise
den
Aufenthalt
in
einem
Asylantenheim,
die
sich
dem
Durchschnittsbürger
im
realen
Leben
nicht
von
innen
erschließen.
Es
dürften
die
Wurzeln
seines
unverwechselbaren
Stils
sein.
Anders
ist
es
kaum
zu
erklären,
wie
er
so
unterschiedliche
Sonderlinge
aufspürt
und
beschreiben
kann
wie
den
grünen
Bundestagsabgeordneten,
der
mit
dem
Fahrrad
nach
und
durch
Sibirien
fährt,
den
Studenten,
der
auf
der
Krim
nach
der
Absturzstelle
von
Joseph
Beuys
sucht
oder
über
die
in
der
sibirischen
Steppe
extra
gebaute
Attrappe
von
Paris,
in
die
ehedem
verdiente
sowjetische
Bürger
zum
Pseudo-West-Aufenthalt
gekarrt
wurden.
Fast
jede
Geschichte
erhält
ihre
eigene
Pointe.
Und
so
sind
diese
Geschichten
nicht
nur
eine
Labsal
für
trübe
Gemütslagen,
die
sie
deutlich
aufhellen
werden,
sondern
lassen
sich
auch
gut
immer
mal
wieder
lesen,
ohne
beim
zweiten
Mal
langweilig
oder
weniger
amüsant
zu
werden.
Ausnahme
ist
allenfalls
die
"Verdeckung
Amerikas",
die
Beschreibung
der
USA-Sucht
der
Jugend
in
der
ausgehenden
Sowjetzeit.
Die
kann
man
sich
als
Wiederholung
sparen.
Ausführliche
Rezension
auf
Anfrage!
Textauszug: In
Wirklichkeit
ist
die
Krim
eine
ziemlich
finstere
Gegend.
Wie
in
jedem
Touristenort
wird
die
Bevölkerung
dort
von
den
Erholungssüchtigen
ausgebeutet
und
umgekehrt.
Die
Krimbewohner
haben
über
die
Jahrtausende
eine
Hassliebe
zu
ihren
Gästen
entwickelt.
Sie
hassen
die
Touristen,
weil
sie
die
Ökologie
der
Insel
zerstören
und
die
Einheimischen
nachts
mit
ihren
Partys
terrorisieren.
Ende
August
wird
es
besonders
schlimm.
Dann
greift
die
einheimische
Jugend
zu
Hieb-
und
Stichwaffen
und
geht
auf
Touristenjagd.
Fast
immer
kommt
sie
mit
toller
Beute
zurück,
und
dafür
liebt
sie
dann
wieder
die
Touristen,
weil
sie
die
einzige
Quelle
des
Wohlstandes
sind.
Aus
dieser
Hassliebe
heraus
vermieten
die
Einheimischen
selbst
Übernachtungsmöglichkeiten
in
Hühnerställen
für
zehn
Dollar
am
Tag,
außerdem
versuchen
sie
noch,
jedem
Gast
ihre
selbst
genähten
Tischdecken
als
Volkskunst
zu
verkaufen.
Doch
der
Hauptgrund
für
die
Verdorbenheit
der
Inselbewohner
ist
der
Umstand,
dass
sie
die
Einzigen
sind,
die
sich
keinen
Urlaub
auf
der
Krim
gönnen
können.
Sie
leben
ja
dort.
....
Die
Geschichte
von
Beuys'
Absturz
auf
er
Krim
war
mir
nicht
ganz
unbekannt.
Im
Zweiten
Weltkrieg
war
der
Künstler
Bordschütze
in
einem
Flugzeug
gewesen,
das
1944
abgeschossen
wurde
und
auf
die
Halbinsel
stürzte.
Der
Pilot
kam
dabei
ums
Leben,
der
schwer
verletzte
Schütze
Beuys
wurde
laut
einer
von
ihm
selbst
später
verbreiteten
Legende
von
der
dortigen
Bevölkerung
freundlich
aufgenommen
und
geheilt.
...............
Eine
Bekannte
von
mir,
auch
eine
Kunstwissenschaftlerin,
stellte
einmal
die
These
auf,
dass
das
Flugzeug
von
Beuys
1944
von
Antoine
de
Saint-Exupéry
abgeschossen
wurde,
der
etwa
zu
diesem
Zeitpunkt
auch
mit
einem
Flugzeug
unterwegs
war
und
die
Orientierung
verloren
hatte.
Autorenportrait:
Wladimir
Kaminer
wurde
1967
in
Moskau
geboren.
Er
absolvierte
eine
Ausbildung
zum
Toningenieur
für
Theater
und
Rundfunk
und
studierte
anschließend
Dramaturgie
am
Moskauer
Theaterinstitut.
Seit
1990
lebt
er
mit
seiner
Frau
und
seinen
beiden
Kindern
in
Berlin.
In
seinem
Stadtteil
Prenzlauer
Berg
wurde
er
zur
Kultfigur.
Kaminer
veröffentlicht
regelmäßig
Texte
in
verschiedenen
deutschen
Zeitungen
und
Zeitschriften,
u.a.
in
FAZ
und
taz,
hat
eine
wöchentliche
Sendung
namens
"Wladimirs
Welt"
beim
SFB4
Radio
MultiKulti,
wo
er
jeden
Samstag
seine
Notizen
eines
Alltags-Kosmonauten
zu
Gehör
bringt,
und
er
organisiert
im
Kaffee
Burger
Veranstaltungen
wie
seine
inzwischen
legendär
berüchtigte
"Russendisko".
Mit
der
gleichnamigen
Erzählsammlung
avancierte
das
kreative
Multitalent
über
Nacht
zu
einem
der
beliebtesten
und
gefragtesten
Jungautoren
in
Deutschland.
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Anfang
Kaminer,
Wladimir:
Die
Reise
nach
Trulala.
Goldmann/Manhattan,
2002,
gebunden,
ISBN:
3-442-54542-0
www.randomhouse.de/manhatten/
Kaminer,
Wladimir:
Russendisko
Goldmann/Manhattan.
11.
Aufl.
2000,
gebunden,
ISBN:
3-442-54519-6
Kaminer,
Wladimir:
Russendisko
Goldmann
Verlag,
Goldmann
Taschenbücher
Bd.54175,
2002,
kartoniert,
ISBN:
3-442-54175-1
www.randomhouse.de/goldmann/
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