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 Wie
es
ausgehen
wird,
ist
von
Anfang
an
klar.
Agnes,
eine
der
beiden
Hauptpersonen,
wird
am
Ende
der
kurzen,
traurig-schönen
Liebesgeschichte
tot
sein.
Damit
ist
die
Spannung
weggenommen
vom
Ausgang
der
Handlung
und
die
ganze
Aufmerksamkeit
des
Lesers,
unmerklich,
auf
den
Verlauf
und
die
Entwicklung
des
Geschehens
gelenkt,
auf
das
Warum.
Warum
können
diese
beiden
Menschen,
die
sich
doch
offensichtlich
tief
ineinander
verliebt
haben,
nicht
auf
Dauer
miteinander
leben,
was
hindert
sie
an
ihrem
Glück?
In
der
Universitätsbibliothek
von
Chicago
begegnen
sie
sich
zum
ersten
Mal,
der
Ich-Erzähler,
ein
Schweizer
Journalist
und
Sachbuchautor,
und
Agnes,
die
junge
amerikanische
Physikerin,
die
an
ihrer
Dissertation
schreibt. Er
fühlt
sich
unwiderstehlich
von
ihr
angezogen,
ihr
leicht
rätselhaftes
Wesen
reizt
ihn,
es
zu
ergründen.
Da
die
Faszination
gegenseitig
ist
und
sie
seine
Zuneigung
erwidert,
dauert
es
nicht
allzu
lange,
bis
sie
zusammen
ziehen.
Sie
kommt
zu
ihm
in
seine
Wohnung,
ohne
allerdings
die
ihre
aufzugeben.
Eine
intensive
Zeit
des
verliebten
Sich-Erforschens
und
tastenden
Zueinander-Findens
im
Spannungsfeld
zwischen
Rausch
und
Alltäglichkeit
beginnt.
Sie
erkennt
in
ihm
ihre
große
Liebe,
ihre
einzige
und
ihre
erste.
Aber
sie
ist
es
als
Grundlagenforscherin
der
Physik
gewohnt,
den
Dingen
auf
den
Grund
gehen,
deren
weitere
Entwicklung,
die
Konsequenzen
und
vor
allem
das
Resultat
voraussehen
zu
wollen.
Wohl
traut
sie
auch
nicht
so
ganz
dem
sich
anbahnenden
Glück.
Wie
wird
es
ausgehen,
dieses
Experiment,
ihr
gemeinsames
Lebensexperiment?
Nachdem
sie,
eher
zufällig,
ein
paar
Geschichten
von
ihrem
Geliebten
gelesen
hat,
drängt
Agnes
ihn,
die
Geschichte
ihres
gemeinsamen
Lebens,
ihrer
Liebe
zu
schreiben,
die
"Liebesgeschichte
mit
dir
und
mir",
und
zwar
der
Wirklichkeit
entsprechend
und
mit
der
Prognose
des
Endes. "Schreib
eine
Geschichte
über
mich,
damit
ich
weiß,
was
du
von
mir
hältst."
Als
in
der
folgenden
krisenreichen
Zeit
einer
Schwangerschaft,
die
er
nicht
will
und
die
dann
ohne
sein
Zutun
durch
eine
Fehlgeburt
scheitert,
Agnes
innerlich
zutiefst
verwundet
und
aus
dem
Gleichgewicht
geraten
ist,
gewinnt
das
von
ihm
eher
beiläufig
als
eine
Art
Beziehungstagebuch
begonnene
Werk
zunächst
für
sie,
dann
aber
auch
für
ihn
an
Gewicht
und
Bedeutung.
Agnes
hat
sich
aus
der
Beziehung
heraus
in
sich
selbst
zurückgezogen,
ist
jedoch
erfüllt
von
der
Sehnsucht,
durch
seine
Liebe
geheilt
ins
Leben
zurück
zu
kehren.
Die
Geschichte,
die
er
schreibt,
soll
Zeugnis
geben
von
einer
solchen
Liebe
und
damit
Leben
spenden,
wo
das
wirkliche
Leben
Tod
brachte:
"Du
musst
es
aufschreiben,
...
du
musst
uns
das
Kind
machen.
Ich
habe
es
nicht
geschafft."
In
der
von
ihm
zu
schreibenden
Geschichte
sucht
sie
Zuflucht
in
seiner
Liebe,
oder
richtiger:
sie
möchte
wissen,
ob
seine
Liebe
dafür
ausreicht.
Er
erkennt
ihre
Suche
nach
Halt,
ihre
Kraftlosigkeit,
aber
auch
seine
daraus
erwachsende
Macht:
"Jetzt
war
Agnes
mein
Geschöpf."
Und
so
bemüht
er
sich,
der
literarischen
Zukunft
ihres
Lebens
einen
glücklichen
Ausgang
zu
geben.
Doch
schon
bald
spürt
er,
eher
unbewusst
als
willentlich,
dass
sein
in
die
Zukunft
reichender
Erzählungsverlauf
nicht
stimmt,
wenig
mit
ihm
und
Agnes
zu
tun
hat.
So
schreibt
er
denn
sehr
impulsiv
in
wenigen
Nächten,
ohne
ihr
Wissen,
die
Geschichte
mit
einen
zweiten,
ganz
anderen
Schluss.
Mit
dem
Schluss
von
Agnes'
Freitod.
Vielleicht
sollte
man
sagen:
Es
schreibt
sich
aus
ihm
heraus.
Und
es
ist
nur
eine
Frage
der
Zeit,
bis
Agnes
irgendwann
diese
zweite
Version
entdecken
und
lesen
und
entsprechend
handeln
wird.
Äußerlich
nehmen
die
Hauptpersonen
kaum
bzw.
gar
keine
Gestalt
an.
Er,
der
Ich-Erzähler,
ist
ein
Mann
ohne
Aussehen.
Nicht
ein
einziges
Mal
werden
seine
Haar-
oder
Augenfarbe,
seine
Größe
oder
sein
Alter
erwähnt.
Lediglich
dass
er
deutlich
älter
als
Agnes
ist,
deutet
auf
einen
Enddreißiger
hin,
und
aus
der
Beschreibung
der
fiktiven
Tochter
könnte
ein
vager
Schluss
gezogen
werden:
Die
ihr
zugeschriebenen
dünnen
blonden
Haare
könnten
ein
Indiz
für
das
Aussehen
des
Vaters
sein.
Von
Agnes
erfahren
wir
etwas
mehr,
nämlich
dass
sie
schlank
und
nicht
sehr
groß
ist,
dass
sie
braune
Haare
hat,
einen
blassen
Teint
und
blaue
Augen,
die
sprechen.
So
sprechen,
als
würden
sie
Worte
übermitteln. Ein
zartes,
verletzliches
Wesen,
nicht
so
ganz
von
dieser
betriebsamen,
betriebswirtschaftlich
orientierten
Welt.
Eine
gewisse
Rolle
spielen
bei
ihrer
Charakterisierung
Stil
und
Farbe
von
Kleidung.
Doch
trotz
des
Fehlens
äußerer
Merkmale
werden
beide
dem
Leser
eigenartig
vertraut
und
präsent,
aus
der
Innenansicht
sozusagen. Beide
sind
sehr
moderne
Großstadtmenschen,
kaum
oder
gar
nicht
in
Familien-
oder
Freundesstrukturen
eingebunden,
keine
sehr
sozialen
Wesen
also.
Obwohl
sie
nicht
bindungsunfähig
sind,
kommen
dennoch
beide
auch
sehr
gut
als
Alleinstehende
zurecht,
sind
autonom
und,
besonders
Agnes,
intellektuell.
In
der
schwebend
leichten
Erzählweise
und
Vermischung
von
tatsächlichem
und
fiktiven
Leben
liegt
ein
großer
Reiz
dieses
Buches.
Vordergründig
scheint
es
so,
als
gewinne
über
die
Geschichte
die
Fiktion
Macht
über
Agnes'
reales
Handeln,
als
folge
sie
quasi
den
literarischen
Regieanweisungen
ihres
Geliebten.
Doch
in
Wahrheit
liegen
Wert
und
Gewicht
der
fiktiven
Handlung
in
der
Offenbarung
seiner
tatsächlichen
Gefühle,
und
zwar
für
beide.
Er
wird
sich
schreibend
darüber
klar,
dass
seine
Liebe
nicht
groß
und
ausschließlich
genug
ist
für
sie,
nicht
ausreicht
für
ein
glückliches
Ende.
Und
Agnes
gewinnt
dadurch
die
traurige
Gewissheit,
dass
sie
bei
ihm
nicht
finden
wird,
was
sie
sucht.
Beeindruckend
in
seiner
ebenso
klaren
wie
knappen
Prägnanz
ist
Peter
Stamms
Sprachstil.
Sachlich,
präzise,
unprätentiös
und
anscheinend
emotionslos,
aber
keineswegs
steril,
und
dabei
fast
schwerelos
leicht
werden
selbst
dramatische
Sachverhalte
und
tiefe
Existenzkrisen
dargestellt.
Jedes
Wort
sitzt,
keines
ist
überflüssig.
Im
Kopf
entstehen
durchaus
Bilder,
viele
Bilder
von
großer
Klarheit,
aber
eher
Schwarz-weiß-Fotos
als
farbig
fulminante,
üppig
dekorierte
Filmsequenzen.
Obwohl
auf
jegliche
verbal-psychologische
Erklärungsansätze
verzichtet
wird,
kann
sich
der/die
Leser/in
analytisch
der
Ursachenforschung
des
Scheiterns
dieser
Liebesbeziehung
widmen.
Ein
luzides
Wortgebäude,
das
den
Einblick
in
Gefühlstiefen
zulässt,
ohne
selbst
zu
analysieren
oder
gar
zu
sezieren.
Ausführliche
Rezension
auf
Anfrage!
Textauszug: "Das
Geheimnisvolle
ist
die
Leere
in
der
Mitte",
sagte
sie,
"das,
was
man
nicht
sieht,
die
Symmetrieachsen."
...
Meine
Liebe
zu
Agnes
hatte
sich
verändert,
war
nun
anders
als
alles,
was
ich
früher
gekannt
hatte.
Ich
fühlte
eine
fast
körperliche
Abhängigkeit,
hatte
das
demütigende
Gefühl,
nur
ein
halber
Mensch
zu
sein,
wenn
sie
nicht
da
war.
Während
ich
in
früheren
Beziehungen
immer
viel
Zeit
für
mich
alleine
beansprucht
hatte,
konnte
ich
Agnes
nicht
oft
genug
sehen.
Seit
unserer
Wanderung
im
Park
dachte
ich
dauernd
an
sie
und
kam
nur
noch
wirklich
zur
Ruhe,
wenn
sie
bei
mir
war
und
ich
sie
anschauen,
sie
berühren
konnte.
Wenn
sie
aber
bei
mir
war,
fühlte
ich
mich
wie
berauscht,
und
meine
ganze
Umgebung,
die
Luft,
das
Licht
,
schienen
mir
schmerzhaft
deutlich
und
nah,
und
selbst
die
Zeit
wurde
konkret
und
spürbar
in
ihrem
Vergehen.
Ich
hatte
zum
erstenmal
in
meinem
Leben
das
Gefühl,
etwas
dringe
von
außen
in
mich
ein,
etwas
Fremdes,
Unverständliches.
Ich
begann,
Agnes
zu
beobachten,
und
merkte
erst
jetzt,
wie
wenig
ich
sie
kannte.
Autorenportrait: Peter
Stamm,
Jahrgang
1963,
studierte
nach
einer
kaufmännischen
Lehre
einige
Semester
Anglistik,
Psychologie,
Psychopathologie
und
Wirtschaftsinformatik.
Es
folgten
längere
Aufenthalte
in
Paris,
New
York
und
Skandinavien.
Seit
1990
arbeitet
er
als
freier
Autor
und
Journalist.
Er
verfasste
mehrere
Hörspiele,
ein
Theaterstück.
Seit
1997
ist
er
auch
als
Redakteur
für
die
Literaturzeitschrift
"Entwürfe
für
Literatur"
tätig.
Peter
Stamm
lebt
in
der
Schweiz.
>>
zurück
zum
Anfang
Peter
Stamm:
Agnes,
Roman,
1998,
Arche
Verlag,
gebunden,
ISBN
3-7160-2245-4
www.arche-verlag.de
Peter
Stamm:
Agnes,
Roman,
2000,
btb
bei
Goldmann,
Taschenbuch,
ISBN
3-442-72550
www.randomhouse.de/goldmann/
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