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Christa T. ist bekanntermaßen
nicht
an
ihrer
Krankheit
zugrunde gegangen,
sondern
an
den
fundamentalen
Gebrechen
der
DDR.
Auch
Kassandra
und
Medea
haben
sich
an
den
jeweiligen
gesellschaftlichen
Strukturen
und
staatlichen
Verhältnissen
zu
Tode
gerieben.
Sechs
Jahre
nach
»Medea.
Stimmen«
hat
Christa
Wolf
mit
"Leibhaftig"
abermals
eine
Erzählung
veröffentlicht,
in
der
es
um
den
Konflikt
zwischen
Individuum
und
Gesellschaft
geht.
Er
manifestiert
sich
im
Leiden
einer
lebensbedrohlich
erkrankten
Frau.
Allerdings
nun
nicht
mehr
in
einem
antiken
Szenario,
sondern
wieder
im
zeitgeschichtlichen
Rahmen -
in
den
letzten
Jahren
der
zusammenbrechenden
DDR.
Die
namenlose
Hauptperson
führt
einen
Kampf
auf
Leben
und
Tod,
denn
ihr
körperliches
Immunsystem
streikt
ebenso
wie
ihre
Psyche.
Lange
suchen
die
Ärzte
ohne
Erfolg
nach
den
Ursachen.
Seelischer,
körperlicher
und
gesellschaftlicher
Zusammenbruch
gehen
Hand
in
Hand
und
entziehen
sich
weitgehend
heilendem
Zugriff
von
außen.
Der
Begriff
'Zusammenbruch'
nimmt
eine
zentrale
Funktion
ein.
Quälende
Träume
aus
eigener
unbewältigter
Vergangenheit
und
der
ihrer
geschundenen
Stadt
Berlin
nähren
ihre
Existenzkrise.
Schließlich
jedoch
vermag
menschliche
Nähe
ihr
Kraft
und
den
Wunsch
zum
Leben
zurück
zu
geben.
Christa
Wolf
gewährt
diese
Einblicke
in
die
Grenzbezirke
menschlichen
Daseins
mit
der
ihr
eigenen
bezwingenden
Sprache,
ohne
jedoch
jemals
verbal
zu
dramatisieren.
Nüchtern,
präzise,
im
leichten
Erzählton,
fast
lakonisch
werden
Erfahrungen
aus
dem
Inneren
eines
kranken
menschlichen
Körpers
und
dem
zunehmend
verfallenden
Staatskörper
DDR,
die
fast
wie
kommunizierende
Röhren
aneinander
hängen,
mitgeteilt.
Und
auch
wenn
der
Leser
streckenweise
Zeuge
eines
Todeskampfes
wird
-
den
die
Frau
dann
doch
überlebt
-
so
ist
die
Lektüre
alles
andere
als
eine
Qual.
Im
Gegenteil:
den
Leser
bindend,
denkanstößig,
mit
immer
wieder
erstaunenden
Assoziationen
und
geradezu
seismographischen
Satzkompositionen
bis
zur
letzten
Zeile.
Ausführliche
Rezension
auf
Anfrage!
Textauszug:
Das
Krankenhaus,
erfährt
sie,
sei
ein
Spiegelbild
der
Gesellschaft,
und
dies
sei
nun
einmal
eine
Mangelgesellschaft,
auch
wenn
es
keiner
zugeben
würde.
Wir
haben,
sagt
der
Oberarzt,
schlicht
und
ergreifend
nicht
die
Devisen,
um
die
notwendigsten
Dinge einzukaufen,
und
das
führe
eben
dazu,
dass
es
an
Bettwäsche,
an
Handtüchern
und
nun
also
auch
schon
an
Hemden
fehle.
Von
bestimmten
Spritzen
wolle
er
gar
nicht
erst
reden,
oder
von
diesen
Handschuhen,
Marke
Eigenbau,
das
Theater
hätte
ich
ja
oft
genug
miterlebt.
Wir
sind
gehalten
zu
sparen,
sagt
der
Oberarzt.
Ein
Produktionsbetrieb
muss
seinen
Produktionsplan
erfüllen,
wir
müssen
unseren
Einsparungsplan
erfüllen.
...................
Wenn
wirklich
Not
am
Mann
sei,
würden
Devisen
aus
einem
Sonderfonds
lockergemacht.
Das
müssen
wir
an
anderer
Stelle
wieder
einsparen.
Und
wissen
Sie,
was
dabei
rauskommt?
Wir
alle
werden
Weltmeister
im
Improvisieren.
Die
Kollegen,
die
hier
weggehen,
erregen
drüben
Aufsehen
mit
ihrer
Kunst,
aus
Dreck
Gold
zu
machen.
Wie
die
arme
Müllerstochter
im
Märchen,
sagt
sie.
.......................
Spät
am
Abend
fragt
sie
Kora
Bachmann,
ob
sie
wisse,
dass
der
Schmerz,
den
man
bei
einem
Verlust
empfinde,
das
Maß
sei
für
die
Hoffnung,
die
man
vorher
gehabt
habe.
Der
Spur
der
Schmerzen
nachgehen,
sage
ich
zu
ihr,
ungewappnet,
das
wäre
der
Mühe
wert.
Das
wäre
des
Lebens
wert.
Autorenportrait: Christa
Wolf,
geboren
am
18.3.1929
in
Landsberg/Warthe,
lebt
mit
ihrem
Mann
Gerhard
Wolf
in
Berlin.
Sie
zählt
zu
den
bedeutendsten
Schriftstellerinnen
der
Gegenwart;
ihr
umfangreiches
erzählerisches
und
essayistisches
Werk
wurde
in
alle
Weltsprachen
übersetzt
und
mit
zahlreichen
nationalen
und
internationalen
Preisen
ausgezeichnet,
darunter
dem
Heinrich-Mann-Preis
der
Akademie
der
Künste
der
DDR
(1963),
dem
Literaturpreis
der
Freien
Hansestadt
Bremen
(1977),
dem
Georg-Büchner-Preis
der
Deutschen
Akademie
für
Sprache
und
Dichtung,
Darmstadt
(1980),
dem
Österreichischen
Staatspreis
für
europäische
Literatur
(1985),
dem
Geschwister-Scholl-Preis
der
Stadt
München
(1987),
dem
Nationalpreis
1.
Klasse
für
Kunst
und
Literatur
(1987),
der
Ehrendoktorwürde
der
Freien
Universität
Brüssel
(1990),
dem
Orden
Officier
des
Arts
et
des
Lettres
(1990),
dem
Elisabeth-Langgässer-Preis
(1999)
und
dem
Nelly
Sachs-Preis
(1999).
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Anfang
Christa
Wolf:
Leibhaftig.
Erzählung,
2002,
Luchterhand
Literaturverlag,
gebunden,
ISBN
3-630-87112-7
www.randomhouse.de/luchterhand/
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