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Daß
der
Kosmos
räumlich
eine
sphärische
Gestalt
besitze,
bewies
im
13.
Jahrhundert
Roger
Bacon
mit
einem
recht
bemerkenswerten
Argument:
die
Rotation
der
Körper
würde
sonst
ein
Vakuum
erzeugen.
Moralisch
erzeugt
das
nicht-holistische
Welt-
und
Menschenbild
des
(christlichen)
Abendlandes
seit
Jahrhunderten
in
immer
schnellerer
Drehung
ein
immer
größeres
Vakuum,
denn
es
kreist
einzig
um
den
Menschen.
Unter
Sittlichkeit
versteht
es
allein
die
Rücksicht
auf
den
Menschen,
und
am
Menschen
sieht
es
als
Träger
der
Sittlichkeit
einzig
das
Denken,
die
praktische
Vernunft.
Beides
hängt
miteinander
zusammen:
ökologisch
die
Isolation
des
Menschen
von
der
ihn
umgebenden
Natur
und
psychologisch
die
Isolation
der
Vernunft
vom
Gefühl.
Die
Strukturbedingung
einer
solchen
Ethik
ist
die
Unterdrückung:
anthropologisch
in
der
Unterwerfung
des
Empfindens
und
des
Fühlens
unter
das
Diktat
des
Denkens,
kosmologisch
in
der
"Dienstbarmachung"
der
Welt
durch
das
wachsende
Herrschaftswissen
der
Neuzeit.
"Wachset
und
mehret
euch"
und:
"Machet
euch
untertan"
und:
"Herrscht
über
die
Tiere"
-
diese
"göttlichen"
Worte
am
Anfang
der
Bibel
(Gen
1,28)
sind
sicher
nicht
der
Grund,
wohl
aber
der
vollkommenste
Ausdruck
dieser
radikalen
Anthropozentrik
von
Religion
und
Ethik
im
Abendland.
Die
pflichtweise
Zerstörung
der
Gefühle
ebenso
wie
die
mutwillige
Zerstörung
der
Natur
an
unserer
Seite
bedingen
einander
wechselseitig
und
treiben
sich
immer
rascher
voran:
Die
verwüstete
Welt
verinnerlicht
sich
als
Wüstenei
der
Seele
und
die
Angst
vor
dem
Hohlraum
des
eigenen
Inneren
rückentäußert
sich
als
Vergleichgültigung,
als
"Neutralisierung"
immer
größerer
Bereiche
der
Weltwirklichkeit.
Drei
Beispiele
-
Massentierhaltung,
Artenregulierung
und
Überbevölkerung
-
mögen
zeigen,
wo
wir
heute
sehen.
Seit
etwa
zwei
Jahren
vermehren
sich
die
Hinweise,
daß
einige
Fälle
der
an
sich
recht
seltenen
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
in
Bayern
mit
dem
Verzehr
von
Rindfleisch
aus
England
zusammenhängen
könnten;
dort
hat
die
Ernährung
von
Rindern
mit
Schaffleisch
sowie
mit
Schlachtabfällen
von
Rindern
zu
dem
vereinzelten
Ausbruch
von
"Rinderwahnsinn"
(BSE)
geführt,
und
es
scheint
nicht
ausgeschlossen,
daß
diese
Krankheit
auf
den
Menschen
übertragbar
ist.
Objektiv
handelt
es
sich
dabei
um
nichts
anderes
als
um
einen
"begründeten
Anfangsverdacht";
doch
als
sich
im
März
96
die
Medien
europaweit
des
Themas
annahmen,
brach
der
"Schlachtviehmarkt"
um
50%
ein,
und
die
Europäische
Union
setzte
fest,
daß
ca.
vier
Millionen
Rinder
in
England
zu
töten
seien.
Der
Beschluß
selber
galt
als
gesundheitspolitisch
unumgänglich,
sah
man
sich
doch
dem
Problem
gegenüber,
das
"Vertrauen"
der
Konsumenten
in
die
"Güte"
"landwirtschaftlicher
Tierprodukte"
wiederherzustellen;
die
einzige
Schwierigkeit,
um
deren
Lösung
tagelang
gefeilscht
wurde,
bestand
in
der
Höhe
der
Subventionen
der
Fleischvernichtung:
80%,
wie
die
Briten
forderten,
oder
70%,
wie
vor
allem
die
Deutschen
und
Franzosen
im
Höchstfall
zu
zahlen
bereit
waren.
Keinerlei
Frage
richtete
sich
auf
das,
was
die
Gesetzgebung
aller
zivilisierten
Länder
der
Agrarindustrie
als
"artgerechte
Tierhaltung"
bei
der
"Fabrikation"
von
"Schlachtfleisch"
zur
Auflage
macht
und
was
in
der
Praxis
auf
eine
grandiose
Heuchelei
und
Augenwischerei
hinausläuft.
Nehmen
wir,
statt
der
britischen,
nur
die
deutschen
Verhältnisse.
"Artgerecht"?
63%
aller
Rinder,
einschließlich
Kälber,
wird
in
Großbeständen
von
über
100
Tieren
gehalten,
über
66%
der
Mastschweine,
83%
der
"Legehennen"
werden
in
Beständen
von
über
1000
Tieren
gehalten,
bei
den
"Masthühnern"
beträgt
die
Zahl
sogar
99%.
Was
diese
Zahlen
tatsächlich
bedeuten,
mag
die
"normgerechte"
und
"normale"
Lebensgeschichte
eines
Kälbchens
in
deutschen
Stallungen
verdeutlichen:
Acht
Tage
nach
seiner
Geburt
wird
das
"Jungtier"
von
seiner
Mutter
getrennt
und
in
die
"Mastanstalt"
transportiert,
wo
es
mit
Medikamenten
vollgepumpt
wird
und
als
Nahrung
fortan
einen
Magermilchtrunk
erhält,
der
zu
Durchfällen
und
allmählicher
Austrocknung
führt.
Das
Tier
erhält
aber
kein
Wasser,
sondern
es
soll
durstig
auf
den
zunehmend
mit
Nährstoffen
angereicherten
Milchpudding
bleiben,
den
man
auf
38
Grad
erwärmen
muß,
um
weitere
Durchfälle
zu
vermeiden.
Die
Folgen:
Die
Tiere
schwitzen
beim
"Essen",
Juckreiz
tritt
auf,
so
daß
die
Tiere
mit
der
Zunge
sich
zu
lecken
beginnen;
dabei
geraten
die
ausgerissenen
Haare
in
den
Pansen
und
bilden
Fäulnis
und
Giftstoffe.
Das
alles
geschieht,
damit
die
Kälber
jeden
Tag
mehr
als
ein
Kilogramm
zunehmen.
In
den
Milchpudding
wird
nur
sehr
wenig
Eisen
gemengt,
damit
die
Tiere
blutarm
bleiben
und
ihr
Fleisch
später
auf
dem
Tisch
schön
weiß
aussieht.
Schwere
Atembeschwerden
und
Kreislaufstörungen
stellen
sich
ein;
doch
man
kann
sie
vernachlässigen,
denn
bald
schon
wird
das
Kälbchen
seinen
Sarg
aus
vier
Brettern
verlassen,
um
mit
Hunderten
anderer
Unglücklicher
im
städtischen
"Schlachthof"
"angeliefert"
zu
werden.
In
seinem
ganzen
Leben
hat
es
nie
eine
Weide
betreten,
es
hat
nie
mit
seinesgleichen
gespielt
und
getollt,
es
hat
nie
den
Himmel
und
die
Sonne
gesehen,
sein
ganzes
Leben
war
eine
einzige
Qual,
die
den
"Züchtern"
und
"Tierhaltern"
indessen
für
so
"erfolgreich"
gilt,
daß
sie
unter
dem
Konkurrenzdruck
der
EU-Marktrichtlinienordnung
inzwischen
zur
Standardausrüstung
auf
den
existenzbedrohten
Höfen
zählt
und
als
geradezu
vorbildlich
in
die
Länder
der
Dritten
Welt
exportiert
wird.
Und
so
geht
es
allen
"Nutztieren".
Allein
in
der
Bundesrepublik
vegetieren
jährlich
mehr
als
250
Millionen
von
ihnen
auf
diese
Weise
dahin:
Hühner
in
Käfigen,
deren
Fläche
so
"groß"
ist
wie
eine
Schreibmaschinenseite,
Schweine
in
lebenslanger
"Anbindehaltung",
ohne
Streu,
auf
Betonböden,
einzige
Bewegungsform:
aufstehen,
hinlegen,
fressen,
sterben.
Natürlich
weiß
man,
daß
die
Massentierhaltung
in
keiner
Weise
als
"artgerecht"
zu
betrachten
ist,
doch
was
verschlägt
das
gegen
die
"Eigengesetzlichkeit"
des
Marktes?
Die
ökonomischen
"Sachzwänge"
treiben
in
Frankreich
und
Deutschland
etwa
70%
aller
Bauern
in
den
Ruin,
schon
weil
die
Politik
der
herrschenden
Regierungen
auf
die
Profitmaximierung
des
Großkapitals
besonders
in
der
Zulieferindustrie
dieses
so
naturwidrigen
Umgangs
mit
lebenden
Wesen
hinausläuft.
In
unserem
Zusammenhang
ist
jedoch
ein
Gesichtspunkt
besonders
bemerkenswert:
Die
ganze
gigantische
Tierquälerei
stellt
sich
allererst
selbst
in
Frage,
sobald
sie
die
unmittelbaren
Interessen
von
Menschen
berührt,
nicht
früher
und
nicht
später.
Dann
aber
genügt
eine
bloße
medizinische
Mutmaßung,
um
vier
Millionen
Tiere
per
Gesetz
zum
Tod
zu
verurteilen
und
ihre
Kadaver
in
den
Verbrennungsöfen
der
Kraftwerke
zu
"entsorgen".
Und
eben
das
ist
der
Punkt,
bis
zu
welchem
Extrem
Tiere
rechtlos
sind
gegenüber
menschlichen
Ansprüchen.
Völlig
undiskutierbar
zum
Beispiel
ist
eine
Politik,
die
aus
dem
selbstgeschaffenen
Desaster
des
"Rinderwahnsinns"
die
entsprechenden
Konsequenzen
ziehen
würde:
sofortige
Rückkehr
zur
"grünen"
Landwirtschaft,
wirtschaftliche
Stützung
der
Kleinbauern,
Konsumstop
von
Fleischverzehr
aus
Massenzuchtanstalten,
mit
anderen
Worten:
ein
intensives
Nachdenken
auch
über
unsere
Nahrungsgewohnheiten,
-
von
all
dem
nichts,
nicht
ein
einziges
Wort;
stattdessen
eine
noch
genauere
"Überprüfung"
des
"Schlachtfleischs",
eine
noch
verstärkte
Pathologisierung
der
"Tierhaltung";
-
die
"Nutznießer"
aus
der
Katastrophe
werden
mit
aller
Sicherheit
erneut
die
Massentierhalter
und
die
"Billigfleischerzeuger"
sein.
Vor
allem:
Wir
finden
offenbar
nicht
das
geringste
dabei,
Tiere
zu
Millionen
sterben
zu
lassen,
wenn
auch
nur
eine
Wahrscheinlichkeit
von
1
:
100.000
besteht,
daß
der
"Genuß"
eines
von
ihnen
Krankheiten
auslösen
könnte.
Es
bedarf
offenbar
schon
eines
Vergleichs,
um
zu
zeigen,
wie
wenig
selbstverständlich,
ja,
wie
irrsinnig
dieses
Denken
ist:
Mit
aller
Wahrscheinlichkeit
werden
sich
zu
Beginn
der
nächsten
Pfingstferien
im
Großraum
München
oder
Paris
mit
der
Reisewelle
von
Urlaubern
Hunderte
von
Autounfällen
ereignen,
davon
viele
tödlich;
die
Warnungen
der
Straßenverkehrspolizei
müßte
man
dahin
übersetzen,
daß
sie
sich
außerstande
sieht,
im
Inntal-Dreieck
oder
auf
den
Ausfallstraßen
der
französischen
Metropole
die
Verkehrssicherheit
zu
gewährleisten.
Äußerst
sinnvoll
zum
Schutz
von
Menschenleben
(und
zur
Entlastung
der
Krankenkassen)
wäre
es,
kurzzeitig
vier
Millionen
PKW's
aus
dem
Verkehr
zu
ziehen
und
damit
das
"Autoaufkommen"
unterhalb
der
statistischen
Katastrophenmarke
zu
halten.
Aber
wieder:
ein
solcher
Gedanke
auch
nur
gegen
unsere
heilige
Kuh:
das
Auto,
würde
gewiß
als
skandalös
empfunden
-
die
Renaultwerke
in
Paris
und
die
VW-Betriebe
in
Wolfsburg
würden
augenblicklich
wieder
ihren
nationalen
"Industriestandort"
und
ihre
"Arbeitsplätze"
gefährdet
sehen.
Vier
Millionen
Autos
auch
nur
für
zehn
Tage
per
Gesetz
stillzulegen
-
das
ist
unmöglich;
vier
Millionen
Rinder
per
Kopfschuß
oder
Giftspritze
zu
töten
-
das
ist
allein
eine
Wirtschaftsfrage.
Irgendetwas
stimmt
da
nicht.
Jeder
kann
das,
hoffentlich,
merken.
Ein
zweites
Beispiel:
Nach
wie
vor
leidet
Australien
unter
der
Kaninchenplage.
Auch
dieses
"Übel"
ist
selbstverschuldet
und
ein
Lehrbuchbeispiel
für
die
Folgen
ungehemmten
Artentransfers.
Die
Kaninchen
wurden
im
Jahre
1788
auf
den
fünften
Kontinent
gebracht,
wo
sie
außer
dem
ausgewilderten
Dingohund
kein
einziges
einheimisches
Raubtier
antrafen
und
sich
daher
sprichwörtlich
vermehren
konnten.
Zudem
machten
die
Farmer
Jagd
auf
die
Dingos,
die,
statt
wie
früher
auf
die
Emus,
mit
Vorliebe
auf
die
neu
eingeführten
Schafherden
abstellten.
Mit
der
Dezimierung
der
Dingos
hatten
nun
die
Kaninchen
überhaupt
keine
Feinde
mehr,
die
sie
hätten
"kurzhalten"
können;
was
Wunder
also,
daß
sie
sich
über
jedes
natürliche
Maß
hinaus,
epidemisch
ausbreiteten?
Um
ihnen
zu
steuern,
führte
man
Wiesel
und
Füchse
aus
Europa
ein,
doch
nur
um
zu
erleben,
daß
die
Füchse
viel
lieber
die
Känguruhratten
bejagten
und
die
Wiesel
sich
über
die
australische
Vogelwelt
hermachten.
Nach
der
Dezimierung
der
Vögel
aber
vermehrten
sich
die
Insekten
zur
Plage
und
verwüsteten
ihrerseits
die
Eukalyptuswälder.
Von
Eukalyptusblättern
hinwiederum
leben
die
Koalabären,
und
um
die
bedrohten
Eukalyptuswälder
zu
schützen,
fing
man
an,
die
Koalas
zu
töten.
Ursprünglich
zu
vielen
Millionen
verbreitet,
hatte
man
sie
schon
um
1950
auf
ein
paar
Tausend
dezimiert.
In
all
der
Zeit
vermehrten
sich
die
Kaninchen
ungehindert
weiter,
bis
1953
die
furchtbare
Kaninchenseuche
Myxomatose
absichtlich
nach
Australien
geholt
wurde
und
90%
der
Tiere
unter
entsetzlichen
Schmerzen
verenden
ließ.
Der
Rest
der
Kaninchen
aber
wurde
immun
und
erreicht
im
Jahr
1996
zum
Ärger
der
Farmer
erneut
Populationsdichten
ungeahnten
Ausmaßes.
Was
also
tun?
Amerikanische
Wissenschaftler
(wer
auch
sonst?)
denken
mittlerweile
daran,
eine
neue
Kaninchenpest
zu
starten,
diesmal
mit
einem
Abkömmling
der
Kalizi-Viren.
Kaninchen,
wohlgemerkt,
sind
Säugetiere;
ihre
physischen
Schmerzen
sind
denen
von
Menschen
durchaus
vergleichbar,
und
der
Kalizi-Virus
führt
bei
ihnen
zu
einem
elenden
Verenden;
sie
zu
Millionen
auf
diese
Weise
auszurotten
sollte
also
zumindest
ein
moralisches
Bedenken
auslösen.
Doch
eben
das
tut
es
nicht.
Die
einzigen
Bedenken,
die
den
"Forschern"
kommen,
richten
sich
auf
eine
mögliche
Virusresistenz
bei
einer
genügenden
Teilmenge
der
Tiere
sowie
auf
eine
nicht
auszuschließende
Mutierbarkeit
der
eingesetzten
Kalizi-Viren.
Möglich
wäre
es,
daß
bei
dem
Wettkampf
zwischen
den
angreifenden
Viren
und
dem
Immunsystem
der
Kaninchen
Virenstämme
selektiert
würden,
die
auch
auf
den
Menschen
übertragbar
wären.
Erste
Versuche
auf
Neuseeland
haben
bereits
dazu
geführt,
das
Kiwi-Huhn
auszurotten.
Da
schafft
ein
Virus
offenbar
mühelos
und
in
kürzester
Zeit
den
Sprung
von
einer
Säugetierart
zu
einer
Vogelart,
quer
durch
den
Stamm
der
Wirbeltiere,
doch
wird
selbst
diese
Gefahr
nicht
verhindern,
daß
1997
das
Experiment
Kalizi-Virus
großflächig
auf
dem
australischen
Kontinent
getestet
wird.
Und
noch
einmal:
allenfalls
die
medizinische
Bedenklichkeit,
auf
Menschen
gewisse
Rücksichten
nehmen
zu
müssen,
wird
die
Massenausrottung
von
Millionen
Säugetieren
aufhalten
können.
Moral,
so
lehrt
uns
das
Beispiel,
bedeutet
bis
heute
nichts
weiter
als
menschlicher
Artenegoismus,
als
die
Durchsetzung
der
Lebensinteressen
einer
Spezies
gegen
die
Interessen
aller
anderen
Lebewesen
oder,
genauer
gesagt,
bestimmter
finanzstarker
Sondergruppen
der
menschlichen
Spezies
gegen
den
Rest
der
Welt.
Am
klarsten
wird
das
durch
ein
drittes
Beispiel:
die
Überbevölkerung
der
Menschheit
auf
dem
Planeten
Erde.
Folgt
man
den
Ausführungen
Papst
Johannes-Paul
II.,
der
immerhin
sich
als
Sprecher
von
900
Millionen
Menschen
versteht
und
zugleich
als
Stellvertreter
Gottes
auf
Erden,
so
ist
es
nicht
allein
als
eine
"schwere
Sünde"
verboten,
im
Kampf
gegen
die
größte
Gefahr
der
Menschheit
heute,
gegen
die
Überbevölkerung,
künstliche
empfängnisverhütende
Mittel
einzusetzen
und
eine
resolute
Geburtenkontrollpolitik
zu
propagieren
-
am
5.
September
1984
rief
das
Oberhaupt
dieser
Kirche
anläßlich
einer
Generalaudienz
die
Katholiken
der
Welt
auf,
auch
die
von
der
römischen
Kirche
gebilligten
"natürlichen"
Methoden
der
Empfängnisverhütung
(d.h.
das
Einhalten
"unfruchtbarer"
Tage)
nicht
dazu
auszunutzen,
die
Zahl
der
Kinder
zu
reduzieren;
es
sei
ein
Mißbrauch,
wenn
Eheleute
diese
Möglichkeit
dazu
benutzten,
die
Zahl
ihrer
Kinder
unterhalb
der
"für
ihre
Familie
moralisch
richtigen
(!)
Geburtenrate"
zu
halten;
also
nicht
so
viele
Kinder,
als
sie
sich
irgend
"leisten"
können,
in
die
Welt
zu
setzen.
Es
scheint,
als
wenn
es
Grenzen
gibt,
von
denen
an
Ignoranz
und
Arroganz,
Traditionalismus
und
Unfehlbarkeitswahn,
wenn
in
höchster
Position
vertreten,
den
Straftatbestand
fahrlässiger
Tötung
erfüllen;
doch
zur
"Entschuldung"
des
Papstes
muß
man
sagen,
daß
er
in
gewissem
Sinne
nur
ausspricht,
was
die
abendländische
Ethik
zur
Selbstvergewisserung
der
absoluten
Anspruchsrechte
der
menschlichen
Spezies
seit
eh
und
je
vertreten
hat.
Es
mag
sein,
daß
es
dem
Oberhaupt
der
katholischen
Kirche
auch
darum
geht,
vor
allem
in
Ländern
wir
Nigeria
den
schwindenden
geistigen
Einfluß
seiner
Religionsgemeinschaft
auf
dem
Wege
biologischer
Ausbreitung
zu
kompensieren,
doch
in
jedem
Falle
herrscht
uneingeschränkt
eine
Ethik
vor,
die
in
der
Wahrung
des
eigenen
Gruppeninteresses
den
eigentlichen
Maßstab
sittlicher
"Verantwortung"
erkennt.
Was
dabei
im
Rahmen
des
Bevölkerungsproblems
"verantwortet"
werden
müßte,
machen
bereits
ein
paar
Vergleichdaten
deutlich.
Im
Jahre
1811
lebten
auf
Erden
noch
etwa
nur
rund
eine
Milliarde
Menschen;
es
brauchte
damals
noch
100
Jahre,
bis
1927,
um
die
Zahl
auf
zwei
Milliarden
Menschen
zu
verdoppeln;
im
Jahre
1960,
also
35
Jahre
später,
lebten
bereits
drei
Milliarden
Menschen
auf
Erden,
dann
genügten
ganze
14
Jahre,
um
die
Menschheit
erneut
um
eine
Milliarde
zu
vermehren.
Bereits
1987
zählte
man
fünf
Milliarden
Menschen,
in
1996
ist
die
sechs-Milliarden-Marke
bei
weitem
überschritten.
Jede
Minute
werden
heute
150
Menschen
geboren,
jeden
Tag
220.000,
jedes
Jahr
mehr
als
80
Millionen;
davon
entfallen
90%
des
Zuwachses
auf
die
Entwicklungsländer.
Im
Jahre
2010
dürfte
die
Weltbevölkerung
mehr
als
sieben
Milliarden
Menschen
umfassen,
und
dann,
schon
zwölf
Jahre
später,
wird
sie
die
Rekordmarke
von
acht
Milliarden
erreicht
haben.
All
diese
Menschen
benötigen
Nahrung,
Kleidung,
Wohnung,
Energie,
medizinische
Versorgung,
Arbeit,
Infrastruktur
-
mit
einem
Wort:
Umweltzerstörung
in
nie
gekanntem
Umfang.
Zum
ersten
Mal
in
der
Geschichte
der
Menschheit
stehen
wir
vor
der
Frage,
ob
wir
weiter
das
exponentielle
Wachstum
der
menschlichen
Spezies
befürworten
wollen
oder
ob
wir
weniger
Menschen
zum
Ziel
nehmen,
damit
die
Weltmeere
und
Flüsse,
die
tropischen
Regenwälder
und
die
Savannen,
die
Wattenmeere
und
die
Feuchtgebiete,
die
Hochalpen
und
die
Polarregionen
zumindest
eine
Chance
behalten,
auch
nur
in
der
nächsten
Zukunft
relativ
intakt
zu
bleiben.
Die
Entscheidung,
vor
die
wir
uns
selbst
gestellt
haben
und
die
wir
in
wenigen
Jahren
zu
fällen
haben,
entspricht
in
ihrer
Bedeutung
einer
Weichenstellung
in
globalem
Maßstab.
Was
wir
derzeit
anrichten,
kommt
einer
Querschnittlähmung
des
gesamten
Motors
der
Evolution
gleich;
sie
besteht
darin,
eine
einzige
Spezies
auf
dieser
Erde
absolut
zu
favorisieren
und
alle
anderen
Formen
des
Lebens
einzig
dahin
zu
befragen,
ob
sie
den
Überlebens-
und
Ausdehnungsinteressen
dieser
einen
Spezies
dienlich
sind
oder
nicht.
Es
ist
klar,
daß
alles,
war
im
"christlichen"
Abendland
bisher
für
Ethik
und
Religion
gegolten
hat,
uns
versichert,
daß
es
unser
Recht,
ja,
unsere
Pflicht
sei,
diese
Entscheidung
zu
unseren
Gunsten
zu
fällen.
Erst
wenn
sich
zeigen
sollte,
daß
zum
Beispiel
die
Ausrottung
des
äquatorialen
Grüngürtels
das
planetare
Windsystem
und
damit
das
Klima
soweit
verändern
könnte,
daß
daraus
ungünstige
Rückwirkungen
vor
allem
für
die
Bewohner
der
nördlichen
Länder
der
Erde
zu
erwarten
wären,
so
wird
das
ein
Argument
bilden,
vielleicht
doch
ein
gewisses
ökologisches
"Umdenken"
zu
fordern,
für
das
freilich
nach
wie
vor
die
Natur
nichts
weiter
ist
als
die
"Umwelt"
des
Menschen.
Es
gibt
in
dieser
Situation
immer
noch
Moralisten,
die
den
Ernst
der
Lage
mit
scheinbar
humanen
Appellen
herunterreden
möchten.
Insbesondere
aus
dem
Vatikan
ist
seit
ein
paar
Jahren
zu
hören,
man
zeige
sich
auch
dort
mittlerweile
über
das
Bevölkerungswachstum
"besorgt",
doch
sei
man
nach
wie
vor
gegen
jedweden
staatlichen
Eingriff
in
das
Selbstbestimmungsrecht
insbesondere
der
Frauen,
die
Zahl
ihrer
Kinder
selbst
festzulegen;
der
wahre
Grund
an
der
Überbevölkerung
liege
in
der
Unterentwicklung
und
Armut
der
Länder
der
Dritten
Welt,
und
die
Schuld
daran
trügen
vor
allem
die
Industrienationen.
Einmal
davon
abgesehen,
wie
eilfertig
in
diesem
Zusammenhang
nun
auch
der
Vatikan
das
Recht
der
Frau
auf
Selbstbestimmung
zu
urgieren
weiß,
und
zugegeben
natürlich,
daß
einer
der
Faktoren
der
Bevölkerungsvermehrung
auf
der
Südhalbkugel
der
Erde
in
den
ungerechten
Austauschrelation
von
Rohstoffen
und
Fertigwaren
auf
dem
Weltmarkt
zu
suchen
ist,
so
bleibt
immer
noch
die
Unaufrichtigkeit
dieser
"Argumentation"
festzuhalten.
Tatsache
ist,
daß
wir
uns
beim
heutigen
Stand
der
Technik
eine
Ausdehnung
des
Anspruchs
auf
"Lebensqualität"
auf
dem
Niveau
von
Westeuropäern
und
Nordamerikanern
allenfalls
für
2,5
Milliarden
Menschen
leisten
können,
ohne
nachhaltige
Schäden
für
die
Natur
in
Kauf
zu
nehmen.
Mit
anderen
Worten:
Wir
können
schon
heute
eine
wirkliche
Angleichung
des
Lebensstandards
von
Industrienationen
und
Entwicklungsländern
nicht
ernsthaft
wünschen,
und
so
bleibt
den
Armen
der
Erde
unter
einer
Decke
zweideutiger
politischer
Erklärungen
heute
bereits
nichts
anderes
übrig,
als
den
Teufelskreis
von
Armut
und
Überbevölkerung
immer
schneller
zu
durchlaufen
und
dabei
vorübergehend
sogar
noch
die
Wachstumsansprüche
der
überschuldeten
Länder
der
Ersten
Welt
zu
bedienen,
während
bald
schon
die
zerstörerische
Wechselwirkung
von
ökologischer
und
ökonomischer
Verelendung
auch
die
derzeit
reichen
Länder
der
Erde
zum
Eingeständnis
der
Strukturkrise
des
ganzen
Systems
falscher
Denkweisen
und
kurzsichtiger
Handlungsformen
nötigen
wird.
Doch
selbst
dann,
nach
Hungerkatastrophen
und
Verteilungskämpfen
von
heute
noch
unvorstellbarem
Ausmaß,
wird
man
wohl
nur
lernen,
mit
-
sagen
wir
-
12
Milliarden
Menschen
sich
am
Rande
des
gerade
Erträglichen
im
Rahmen
einer
einzig
dem
Menschen
dienenden
Erde
einzupendeln.
Eine
Alternative
zu
dieser
"Option"
kann
nur
in
einem
völlig
veränderten
ethischen
Denken
bestehen.
Heute
noch
macht
ein
jeder
sich
lächerlich,
der
ernsthaft
verlangen
wollte,
es
sollte
weniger
Menschen
geben,
auf
daß
Schimpansen,
Kattas
und
Warane
an
der
Seite
des
Menschen
eine
Chance
zum
Überleben
behielten.
Tatsächlich
würde
eine
solche
Forderung
voraussetzen,
daß
der
Parameter
sittlicher
Verantwortung
nicht
länger
rein
anthropozentrisch
definiert
bliebe,
sondern
in
der
Wahrung
der
Welt
gesehen
würde,
welcher
der
Mensch
selbst
sich
verdankt.
Um
es
so
zu
sagen:
Bislang
war
"Ethik"
nichts
weiter
als
ein
selbstreferentielles
System,
das
vom
Menschen
ausging
und
zum
Menschen
zurückkam,
indem
es
in
der
Natur
nichts
weiter
sah
als
eine
ausbeutbare
Quelle
des
Selbsterhalts;
benötigt
aber
würde
eine
Moral,
deren
Begriff
von
"Verantwortung"
wesentlich
durch
die
Beziehung
des
Menschen
zu
der
ihn
umgebenden
Natur
bestimmt
würde.
Ein
Vorbild
dafür
gibt
es
sogar
in
der
Bibel,
wenn
ergänzend,
womöglich
sogar
korrigierend
zu
der
Schöpfungsgeschichte
der
Priesterschrift
in
Gen
1,28
die
sogenannte
"jahwistische"
Paradieserzählung
betont,
der
Mensch
sei
von
Gott
in
den
Garten
der
Welt
versetzt
worden,
um
die
Erde
zu
"bedienen"
und
zu
"bewahren"
(Gen
2,15).
Doch
wann
je
hätte
man
dieses
so
andere
Verständnis
des
Menschen
religiös
und
moralisch
beachtet?
Religion
und
Ethik
belehrten
und
nährten
bislang
im
Namen
des
Christentums
einzig
die
Mittelpunktstellung
des
Menschen;
es
ist
an
der
Zeit,
schon
weil
uns
keine
Zeit
mehr
bleibt,
dieses
überlieferte
Konzept
aufzugeben
und
durch
ein
neues
zu
ersetzen,
das
den
Menschen
als
einen
Teil
der
Natur
versteht
und
als
Verantwortung
wesentlich
den
Erhalt
der
Natur
und
damit
die
Selbstbegrenzung
der
menschlichen
Spezies
an
den
Lebensinteressen
der
Lebewesen
an
unserer
Seite
definiert.
Die
Situation,
in
der
wir
uns
geistig
befinden,
mutet
grotesk
an.
Den
Menschen
von
der
Natur
her
und
in
bezug
zur
Natur
zu
verstehen
war
und
ist
der
Kerninhalt
aller
mythischen
Religiosität
und
Frömmigkeit;
doch
gerade
von
dieser
zu
lernen
fällt
den
Religionen
der
Bibel
bis
heute
unsäglich
schwer.
Inzwischen
aber
haben
die
Naturwissenschaften
den
Mittelpunktwahn
des
Menschen
nachhaltig
widerlegt.
Eine
Hauptthese,
die
es
der
"christlichen"
Ethik
bis
heute
sehr
erleichtert
hat,
die
Ausbeutung
der
Tiere
zum
Nutzen
des
Menschen
zu
rechtfertigen,
bestand
in
der
Überzeugung,
daß
nur
der
Mensch
eine
unsterbliche
und
vernünftige
Seele
besitze;
ja,
folgte
man
den
Ausführungen
des
R.
Descartes,
so
wären
die
Tiere
lediglich
gefühllose
Reflexautomaten,
die
all
die
Mißhandlungen,
die
von
seiten
der
Menschen
ihnen
zugemutet
werden,
durchaus
nicht
zu
empfinden
vermöchten.
Jeder
im
Grund
kann
sehen,
daß
diese
Ansicht
völlig
falsch
ist;
und
doch
hilft
sie
uns
dabei,
die
Augen
vor
den
Leiden
der
Tiere
zu
verschließen:
-
Indem
wir
den
Tieren
eigene
Gefühle
absprechen,
kommt
uns
selbst
die
Erlaubnis,
ja,
die
Auflage
zu,
auch
uns
selbst
ein
Recht
auf
Mitgefühl
mit
der
leidenden
Kreatur
abzusprechen.
Die
Tiere
haben
keine
Gefühle,
und
die
Menschen
haben
Gefühle
mit
den
Tieren
nicht
zu
haben;
so
einfach
ist
das.
Theologen
erklären
auch
heute
noch,
daß
Gott
der
Herr
in
seiner
Weisheit
gerade
diese
Ordnung
"axiologisch"
"gewollt"
habe,
indem
er,
wie
die
Schafe
für
den
Wolf,
so
die
Kaninchen
und
die
Lachse,
die
Rinder
und
die
Rehe,
die
Schweine
und
die
Rebhühner
just
zum
"Gebrauch"
des
Menschen
geschaffen
habe,
so
daß
nach
dem
Schöpfungswillen
des
Allmächtigen
all
diesen
gar
nichts
besseres
passieren
könne,
als
vom
Menschen
verzehrt
zu
werden.
Wer
da
immer
noch
sentimental
genug
sein
sollte,
seine
Seele
mit
dem
Leiden
seelenloser
Kreaturen
zu
belasten,
der
versündigt
sich,
wenn
es
so
steht,
nicht
nur
auf
geschäftsschädigende
Weise
an
den
Interessen
der
Agrarökonomen,
er
handelt
sogleich
den
Absichten
des
Allerhöchsten
zuwider.
Man
braucht
schon
eine
Empörung,
wie
Arthur
Schopenhauer
sie
vor
150
Jahren
zum
ersten
Mal
formulierte,
um
diesem
Typ
"christlich"-
abendländischer
Ethik
durch
die
Forderung
eines
universellen
Mitleids
mit
allen
Lebewesen
nach
indischem
Vorbild
ein
Ende
zu
bereiten.
Tatsächlich
aber
war
es
nicht
eine
philosophische
Neubesinnung,
die
der
abendländischen
Anthropozentrik
wirksam
Paroli
bot,
sondern
es
ist
eine
Fülle
sich
ergänzender
Beobachtungen
und
Theoriebildungen
aus
den
Naturwissenschaften
des
19.
und
20.
Jahrhunderts,
die
den
Menschen
als
eine
bloße
Welle
in
dem
großen
Strom
der
Entfaltung
des
Lebens
auf
dieser
Erde
erscheinen
läßt.
Abstammungslehre,
Verhaltensforschung,
Hirnphysiologie
und
Bioneurologie,
Psychoanalyse
und
Kulturanthropologie
-
sie
alle
zeigen,
in
welchem
Umfang
der
Mensch
sich
selber
der
Herkunft
aus
der
Tierreihe
verdankt.
Kein
Problem
des
menschlichen
Daseins:
weder
Krieg
noch
Kriminalität,
aber
auch
kein
wirklich
starker
Faktor
des
menschlichen
Zusammenlebens,
weder
Familiengründung
noch
Kinderaufzucht,
sind
zu
verstehen
ohne
das
Echo
aus
den
250
Millionen
Jahren
der
Säugetierentwicklung
in
den
Schichten
des
Zwischenhirns
in
unseren
Köpfen.
Punkt
für
Punkt
führten
seit
dem
16.
Jahrhundert
die
Entdeckungen
der
Naturwissenschaften
auf
eine
einzige
großangelegte
narzißtische
Kränkung
des
"christlich"-
abendländischen
Menschen
hinaus:
Der
Mensch
steht
nicht
im
Mittelpunkt
des
Sonnensystems,
wie
N.
Kopernikus
fand,
er
steht
nicht
einmal
im
Mittelpunkt
des
Kosmos,
wie
G.
Bruno
postulierte
-
die
Weltwirklichkeit
sei
unendlich,
um
eines
unendlichen
Schöpfers
würdig
zu
sein,
im
Unendlichen
aber
gäbe
es
weder
räumlich
noch
zeitlich
ein
"Zentrum"...
Den
Dominikanermönch
ließ
Kardinal
R.
Bellarmin
im
Jahre
1600
auf
dem
Campo
dei
Fiori
in
Rom
bei
lebendigem
Leibe
verbrennen,
und
all
seine
Bücher
übergab
er
auf
den
Stufen
von
Sankt
Peter
dem
Feuer,
doch
konnte
das
mittelalterliche
Weltbild
des
Mittelalters
mit
seinem
statuarischen
und
finalistischen
Ordnungsdenken
in
heiligen,
kirchendogmatischen
Begriffen
sein
notwendiges
Scheitern
an
dem
dynamischen,
kausalistischen
Denken
der
Neuzeit
allenfalls
aufschieben,
nicht
wirklich
verhindern.
Daß
der
Mensch
vom
Tiere
geradewegs
"abstammen"
sollte,
daß
sich
sogar
seine
Psyche
im
Verlaufe
von
Jahrmillionen
aus
schimpansenähnlichen
Vorfahren
gebildet
haben
könnte,
galt
der
römischen
Kirche
noch
bis
in
die
60er
Jahre
dieses
Jahrhunderts
als
eine
Majestätsbeleidigung
ersten
Ranges;
-
selbst
ein
so
anthropozentrischer
Mystiker
wie
der
Jesuit
T.
de
Chardin
durfte
zeit
seines
Lebens
seine
Gedanken
nicht
publizieren,
geschweige
denn,
daß
es
bis
heute
verstattet
wäre,
eine
Weltfrömmigkeit
und
Ethik
zu
lehren,
die
den
einfachen
Naturtatsachen
der
menschlichen
Existenz
Rechnung
trüge!
Es
ist
diese
Abwehr,
es
ist
dieser
Widerwille
von
seiten
der
immer
noch
herrschenden
(kirchlichen)
Theologie,
die
uns
hindert,
wenn
schon
nicht
von
anderen
Religionsformen
und
Weisheitslehren,
so
doch
zumindest
von
der
"harten"
Erkenntnis
der
Naturwissenschaften
"Vernunft"
anzunehmen.
Im
Gegenteil,
die
erwähnten
"narzißtischen
Kränkungen"
scheinen
weit
eher
zu
einer
sich
verhärtenden
Enttäuschungsreaktion
als
zu
einem
gewandelten
Weltbild
geführt
zu
haben.
Einzig
das
erklärt
die
Widersprüchlichkeit,
mit
der
wir
heute
den
Tieren
und
in
ihnen
uns
selber
begegnen:
Wir
wissen
genau,
wie
nahe
wir
als
Menschen
den
Tieren
stehen,
doch
benützen
wir
dieses
Wissen
allein
dazu,
um
den
alten
Herrschaftsanspruch
gegenüber
der
uns
umgebenden
Welt
geltend
zu
machen.
Die
Tiere
sind
den
Menschen
ähnlich
-
daraus
folgt
für
uns
keinesfalls,
mit
ihnen
so
"ähnlich"
umzugehen
wie
mit
Menschen,
es
folgt
für
uns
ganz
im
Gegenteil
daraus,
daß
wir
von
ihnen
etwas
über
uns
lernen
können,
das
unser
Herrschaftswissen
noch
vermehrt
und
uns
zur
Ausdehnung
der
überkommenen
Herrschaftsansprüche
gerade
passe
kommt.
Auf
die
ungeheuerliche
Zahl
von
ca.
300
Millionen
Tieren
aller
nur
erdenklichen
Arten
kommt
allein
der
"Verbrauch"
an
"Versuchstieren",
die
von
Pharmaindustrie
und
Militär
weltweit
zu
Tode
gequält
werden,
um
ihren
zerfetzten
Körpern,
ihren
verstrahlten
Organen,
ihrer
versengten
Haut
oder
ihren
zuckenden
Nerven
Informationen
über
die
Wirkung
bestimmter
Medikamente
oder
über
noch
bessere
Möglichkeiten
zum
Töten
und
"Unschädlichmachen"
feindlicher
Objekte
mit
Hilfe
von
Giftgas,
biologischen
"Kampfmitteln",
Neutronenstrahlen
oder
Druck-
und
Splitterbomben
zu
gewinnen.
Alles
wartet
darauf,
daß
wir
aus
der
unabweisbaren
Tatsache
der
Zusammengehörigkeit
allen
Lebens
auf
dieser
Erde
die
genau
umgekehrte
Folgerung
zögen
und
eine
Ethik
und
Religion
der
Einheit
von
Mensch
und
Natur,
statt
der
"Indienstnahme"
und
"Beherrschung"
der
Natur
entwickelten,
doch
hindert
uns
daran
eine
sonderbare
Mischung
aus
wissenschaftlicher
Inkonsequenz
und
wahnähnlichem
Anspruchsdenken
im
Rahmen
der
überkommenen
Formen
von
Religion
und
Moral.
Man
betrachte
auch
nur
den
eigenen
Hund.
Er
soll
keiner
Gefühle
fähig
sein?
Er
soll
sich
nicht
freuen
noch
ärgern
können,
er
soll
nicht
traurig
noch
ängstlich
sein
können,
er
soll
nicht
spielen
noch
raufen,
nicht
ein
Weibchen
umwerben
noch
seine
Jungen
verteidigen
können?
Mit
Verlaub
gesagt:
Wer
imstande
ist,
auch
nur
fünf
Stunden
lang
im
Zusammensein
mit
einem
Hund
all
die
Signale
der
entsprechenden
psychischen
Gestimmtheiten
zu
übersehen
oder
zu
verleugnen,
der
zeigt
damit
nur,
daß
man
ihm
einen
Hund
zur
Pflege
nie
und
nimmer
anvertrauen
dürfte.
Wie,
ein
Tier
sollte
nicht
oder
nur
sehr
viel
weniger
Schmerz
empfinden
können
als
ein
Mensch?
Nehmen
wir
einmal
an,
des
Nachts
brächte
ein
bohrender
Zahnschmerz
uns
um
den
wohlverdienten
Schlaf
und
wir
griffen,
um
endlich
Ruhe
zu
finden,
zu
einem
starken
Schlafmittel;
sehr
bald
hätten
wir
da
wohl
Gelegenheit
zu
merken,
was
das
ist:
"tierisch"
zu
leiden.
Das
Schlafmittel
nämlich
betäubte
nicht
unseren
Schmerz,
es
dämpfte
lediglich
unser
Bewußtsein,
mit
dem
Ergebnis,
daß
wir
uns
von
dem
Schmerzempfinden
geistig
nicht
mehr
distanzieren
könnten;
daran
übrigens
liegt
es,
daß
wir
des
Nachts
alle
Schmerzen
sehr
viel
intensiver
zu
empfinden
pflegen
als
am
Tage.
Die
schmerzempfindlichen
Zentren
aber
sind
in
einem
Säugetiergehirn
an
genau
denselben
Stellen
lokalisiert
wie
auch
in
unseren
Köpfen;
der
Schluß
ist
unvermeidbar,
daß
Tiere
physisch
genauso,
ja
noch
weit
stärker,
weil
dumpfer,
weil
mehr
identisch
mit
ihrem
Schmerz,
zu
leiden
vermögen
als
wir
Menschen
und
daß
ihre
psychischen
Leiden
zumindest
verwandt
den
unsrigen
sind.
Was
für
ein
Recht
also
sollten
wir
haben,
mit
ihnen
zu
machen,
was
immer
uns
im
Moment
nützlich
scheint?
Wenn
Tiere
empfinden
und
fühlen
können,
analog
zu
uns
Menschen,
so
besitzen
sie
auch
einen
Anspruch
darauf,
daß
man
mit
ihnen
umgeht,
analog
wie
mit
Menschen.
Es
kommt
eine
weitere
Folgerung
hinzu,
die
sich
aus
dem
Ende
der
"christlichen"
Anthropozentrik
ergibt.
Wenn
wir
weder
in
Raum
noch
Zeit
irgendeine
bevorzugte
Stellung
auch
nur
im
Rahmen
der
Evolution
des
Lebens
auf
diesem
kleinen
Planeten
Erde
einnehmen,
so
gebieten
es
die
Gesetze
der
Logik,
Handlungen
zu
unterlassen,
die
in
Raum
und
Zeit
Wirkungen
heraufführen,
die
den
Maßstab
dessen,
was
wir
"geschichtliche
Verantwortung"
nennen,
bei
weitem
übersteigen.
Geschichte
-
das
ist
ein
Zeitraum,
der,
hoch
gerechnet,
etwa
vor
8000
Jahren
mit
dem
Neolithicum
begonnen
hat;
erst
seit
dieser
Zeit
haben
sich
die
Strukturen
des
Denkens
und
Handelns
gebildet,
denen
wir
all
das
verdanken,
was
in
Politik,
Wirtschaft
und
Gesellschaft
als
tragende
Selbstverständlichkeiten
sich
gebildet
hat.
Dieser
Zeitraum
ist
für
unser
Geschichtsbewußtsein
unvorstellbar
groß
-
er
umfaßt
noch
ca.
3000
Jahre
mehr
als
der
Beginn
der
Schriftkultur
und
damit
die
Anfänge
der
"eigentlichen"
Geschichte,
aber
er
ist
verschwindend
klein,
gemessen
an
den
Zeitmaßen
der
Biologen,
Paläontologen
und
Geologen.
Es
ist
das
erste
Mal,
daß
wir
in
den
Atommeilern
unserer
Kernkraftwerke
Folgen
zeitigen,
die
wir
nicht
länger
nach
Jahren
oder
Jahrzehnten,
sondern,
entsprechend
der
Halbwertzeit
radioaktiver
Substanzen,
auf
24.000
und
mehr
Jahre
verrechnen
müssen.
Diesen
Maßstäben
sind
wir
prinzipiell
nicht
gewachsen,
wie
erneut
ein
einfaches
Beispiel
zu
zeigen
vermag.
Genau
vor
10
Jahren
ereignete
sich
in
Block
IV
des
Kernkraftwerks
von
Tschernobyl
ein
"Störfall",
der
zu
der
größten
Katastrophe
des
technischen
Zeitalters
geriet.
Jahrelang
hatten
die
Experten
der
Öffentlichkeit
versichert,
ein
GAU
(Größter
anzunehmender
Unfall)
dieser
Größenordnung
sei
absolut
auszuschließen,
die
Kernkraft
sei
"beherrschbar"
gegenüber
allen
Risiken.
Besonders
Frankreich,
im
Besitz
seiner
umfangreichen
Bauxit-
und
Uranerze,
setzt
seit
Jahren
ungehemmt
auf
die
Erzeugung
von
Atomstrom
-
zwei
Drittel
seiner
Elektrizitätsversorgung
stammt
inzwischen
aus
Atomkraftwerken.
Das
Reaktorunglück
in
Tschernobyl
aber
zeigt
die
ganze
"Brisanz"
dieses
Denkens.
Vor
allem
Weißrußland
mit
ca.
50
Millionen
Einwohnern
wurde
durch
die
Katastrophe
verstrahlt;
Schilddrüsenkrebs,
Mißbildungen
bei
Neugeborenen,
die
Symptome
der
"Strahlenkrankheit",
nennen
wir
sie:
das
Hiroshima-Syndrom,
grassieren.
Aber
noch
immer
werden
die
Gefahren
heruntergespielt.
Erst
vor
zwei
Jahren,
acht
Jahre
nach
dem
Desaster,
wurde
die
200.000-Einwohner-Stadt
Gomel
evakuiert;
immer
noch
kehren
Menschen
in
den
Radius
der
tödlichen
Strahlung
zurück,
um
ihre
alten
Wohnungen
zu
besuchen
oder
um
ihre
Äcker
zu
bestellen,
sind
diesen
doch
keine
Schäden
anzusehen!
Am
allerschlimmsten
aber:
24.000
Jahre
lang
wird
hier
eine
Region
von
der
Größe
der
Beneluxländer
als
lebensgefährliches
Terrain
für
die
Besiedlung
durch
Menschen
oder
Tiere
zu
gelten
haben.
Kein
Mensch
ist
einer
"Verantwortung"
gewachsen,
deren
Maßstäbe
bereits
rein
quantitativ
einen
Zeitraum
umfaßt
dreimal
so
groß
wie
von
der
Züchtung
der
ersten
Schafe
und
dem
Bau
erster
Steinhäuser
bis
heute.
Nicht
einmal
in
unserer
eigenen
menschlichen
Geschichte
stehen
wir
heutigen
Menschen
im
Mittelpunkt.
Um
uns
zu
korrigieren,
bedürfen
wir
offensichtlich
einer
Ethik,
die
nicht
länger
einer
gefühlsisolierten,
verstandeseinseitigen
Ethik
das
Wort
redet,
indem
sie
das
Verhältnis
des
Menschen
zu
sich
selbst
und
zu
der
ihn
umgebenden
Natur
wesentlich
in
das
gegenstandsgerichtete
"Erkennen"
und
zweckorientierte
"Wollen"
setzt,
sondern
die
aus
einer
integrierenden
Anthropologie
folgert
und
dementsprechend
die
Integration
des
Menschen
in
die
Natur
fordert.
Wie
eine
solche
Ethik
aussehen
kann,
hat,
im
Erbe
A.
Schopenhauers,
vor
40
Jahren
bereits
der
Deutsch-Franzose
Albert
Schweitzer
formuliert.
"Ethik",
so
schrieb
er,
"besteht
[...]
darin,
daß
ich
die
Nötigung
erlebe,
allem
Willen
zum
Leben
die
gleiche
Ehrfurcht
entgegenzubringen
wie
dem
eigenen.
Damit
ist
das
denknotwendige
Grundprinzip
des
Sittlichen
gegeben.
Gut
ist,
Leben
erhalten
und
Leben
fördern;
böse
ist,
Leben
vernichten
und
Leben
hemmen."
Jemand,
dem
in
diesem
Sinne
das
Leben
heilig
ist,
führte
dieser
große
Humanist,
Pazifist
und
Ethiker
aus,
"reißt
kein
Blatt
vom
Baum,
bricht
keine
Blume
und
hat
acht,
daß
er
kein
Insekt
zertritt.
Wenn
er
im
Sommer
nachts
bei
der
Lampe
arbeitet,
hält
er
lieber
das
Fenster
geschlossen
und
atmet
dumpfe
Luft,
als
daß
er
Insekt
um
Insekt
mit
versengten
Flügeln
auf
den
Tisch
fallen
sieht.
Geht
er
nach
dem
Regen
auf
die
Straße
und
erblickt
den
Regenwurm,
der
sich
darauf
verirrt
hat,
so
bedenkt
er,
daß
er
in
der
Sonne
vertrocknen
muß,
wenn
er
nicht
rechtzeitig
auf
Erde
kommt,
in
der
er
sich
verkriechen
kann,
und
befördert
ihn
vom
todbringenden
Steinigen
hinunter
ins
Gras.
Kommt
er
an
einem
Insekt
vorbei,
das
in
einen
Tümpel
gefallen
ist,
so
nimmt
er
sich
Zeit,
um
ihm
ein
Blatt
oder
einen
Halm
zur
Rettung
hinzuhalten."
"Ethik
ist
ins
Grenzenlose
erweiterte
Verantwortung
gegen
alles,
was
lebt."
Vermutlich
brauchen
wir,
noch
ehe
wir
zu
einer
solchen
Ethik
imstande
sind,
(neben
einer
veränderten
Politik
und
einer
veränderten
Wirtschaftsordnung
nebst
eines
veränderten
Geldsystems)
ein
neues
Wert-
und
Weltfühlen,
wie
es
uns
am
Ende
dieses
grausamen
und
gräßlichen
20.
Jahrhunderts
allenfalls
vereinzelte
Dichter
mit
ihrer
Art
einer
poetischen
Sicht
auf
die
uns
tragende
Wirklichkeit
zu
vermitteln
vermögen,
etwa
nach
dem
Vorbild
des
liebevollen
und
liebenswürdigen
baskischen
Lyrikers
Francis
Jammes.
Mit
einem
Mitgefühl,
das
"christlich"
nie
hieß,
aber
doch
heißen
müßte,
wenn
je
diese
Religion
in
der
Neuzeit
zu
ihrer
Wahrheit
finden
sollte,
schrieb
dieser
fälschlich
für
"naiv"
gehaltene,
in
Wirklichkeit
nur
kindlich
gebliebene
Schöpfer
zauberhafter
kleiner
Gebete
und
Gedichte:
"Tief
im
Blick
der
Tiere
leuchtet
ein
Licht
sanfter
Traurigkeit,
das
mich
mit
solcher
Liebe
erfüllt,
daß
mein
Herz
sich
auftut
allem
Leiden
der
Kreatur.
-
Das
elende
Pferd,
das
im
Nachtregen
mit
bis
zur
Erde
herabgesunkenem
Kopfe
vor
einem
Kaffeehaus
schläft,
der
Todeskampf
der
von
einem
Wagen
zerfleischten
Katze,
der
verwundete
Sperling,
der
in
einem
Mauerloch
Zuflucht
sucht
-
all
diese
Leidenden
haben
für
immer
in
meinem
Herzen
ihre
Stätte.
Verböte
das
nicht
die
Achtung
für
den
Menschen,
ich
kniete
nieder
vor
solcher
Geduld
in
all
den
Qualen,
denn
eine
Erscheinung
zeigt
mir,
daß
ein
Glorienschein
über
dem
Haupt
einer
jeden
dieser
Leidenskreaturen
schwebt,
ein
wirklicher
Glorienschein,
groß
wie
das
All,
den
Gott
über
sie
ausgegossen
hat."
Der
Tag
wird
kommen,
an
dem
wir
Menschlichkeit
gerade
darin
erblicken
werden,
niederkniend
die
Tiere
um
Verzeihung
zu
bitten
für
alles,
was
wir
ihnen
angetan
haben.
1996


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Dr.
Eugen
Drewermann:
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Menschlichkeit
mit
Tieren
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und
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