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Am
Mittag
des
26.
April
2002
begeht
der
19-jährige
Robert
Steinhäuser
in
Erfurt
eine
unvorstellbare
Bluttat.
Er
tötet
17
Menschen:
Lehrer,
Schüler,
einen
Polizisten,
sich
selbst.
Einige
Stunden
später,
in
einer
Sondersendung
des
ZDF,
äußert
sich
der
Bundesinnenminister
zu
diesem
Amoklauf.
Am
Ende
seines
Statements
erwähnt
Schily,
dass
man
natürlich
auch
auf
das
Klima
insgesamt
achten
müsse
und
wie
es
entstanden
sei.
Und
dass
daran
die
Medien,
speziell
das
Fernsehen
mit
seinen
zahllosen
Gewaltdarstellungen,
ein
gerüttelt
Maß
an
Schuld
habe.
Am
späteren
Abend
wird
auch
der
Bundespräsident,
freilich
sehr
vorsichtig,
diesen
Zusammenhang
herstellen.
Der
ZDF-Moderator
kommentiert
Schily
nicht.
Vielleicht
wollte
er
einfach
deshalb
nichts
sagen,
weil
das
ZDF
für
eine
knappe
Stunde
später
in
der
schon
Jahre
laufenden
Reihe
"Der
Alte"
die
Folge
"Mord
auf
Bestellung"
angezeigt
hat.
Hat
das
eine
–
die
Gewalt
in
der
Gesellschaft
–
mit
dem
anderen
–
der
Gewalt
in
den
Medien
–
wirklich
in
diesem
kausalen
Sinne
zu
tun?
Ich
werde
darauf
zurückkommen.
Fürs
Erste
bleibe
ich
auf
dieser
Spur,
die
ein
Titel
wie
"Mord
auf
Bestellung"
legt:
mitten
hinein
ins
volle
Fernsehleben,
besser:
mitten
hinein
in
den
Fernsehtod.
Mit
jahreszeitlich
bedingten
Höhepunkten.
Es
ist
fast
schon
ein
Ritual,
dass
sich
dpa
Jahr
für
Jahr
erst
zu
Weihnachten
und
dann
zu
Ostern
die
Mühe
macht,
festzuhalten,
welche
Mord-
und
Totschlaggeschichten
gewissermaßen
als
Gegenbesetzung
zu
den
besonderen
christlichen
Botschaften
dieser
Feste
die
Primetime
besetzen,
also
die
Zeit,
in
der
die
meisten
Menschen
vor
den
Geräten
sitzen.
Doch
auch
in
den
langen
Zwischenzeiten
wird
geschlagen
und
gekratzt,
geschossen
und
geblutet,
gebrüllt,
erniedrigt
und
gedemütigt.
Auf
hohem
Niveau
und
kunstvoll
inszeniert
durch
Regisseure
wie
Alfred
Hitchcock,
Brian
de
Palma
oder
auch
Ridley
Scott,
aber
auch
auf
dem
Niveau
von
drittklassigen
TV-Movies,
deren
Abspann
so
rasch
durchläuft,
dass
man,
ein
Akt
wohl
schonender
Diskretion,
den
Namen
einen
Regisseurs
gar
nicht
mehr
lesen
kann.
Und
dann
erst
die
nicht
fiktionalen
Sendungen,
Reportagen,
Dokumentationen,
Nachrichtensendungen!
Auch
wenn
wir
noch
lange
nicht
die
US-amerikanischen
Verhältnisse
haben,
in
denen
Fiktion
und
Realität
in
den
Bildern
und
Ereignissen
immer
näher
zusammenrücken
–
Show,
News
Show,
Reality
Show,
Fiction
–,
so
bleiben
doch
auch
in
der
deutschen
Spielart
Tag
für
Tag
genügend
Berichte
über
Greuel,
über
Krieg
und
Terror,
über
schießende
Soldaten
und
weinende
Zivilisten.
In
seltenen
Fällen
werden
wir
sogar
Zeugen
eines
Totschlags,
etwa
anlässlich
eines
Berichts
aus
dem
Kongo,
etwa
am
11.
September
2001,
als
Menschen
sich
aus
dem
World
Trade
Center
stürzen.
Oder
wenn
ein
Roboter
einen
schwer
verletzten
Selbstmordattentäter
nach
Sprengstoff
untersucht
und
dabei
auch
über
die
Erde
schleift.
Von
Gewaltvideos
habe
ich
noch
gar
nicht
gesprochen.
Auch
nicht
von
jener
Hassindustrie,
die
sich
im
Internet
offeriert
und
auf
die
etwa
der
Feuilleton-Chef
der
FAZ,
Frank
Schirrmacher,
am
30.
April,
ebenso
empört
wie
schuldzuweisend,
zu
sprechen
kommt.
Es
ist
eine
Frage,
weshalb
Menschen
derartige
Gewalt
einander
antun?
Eine
nicht
weniger
wichtige
Frage
ist:
Warum
schauen
sich
Menschen
das
an,
was
sie
sich
da
antun?
Und
hinter
allem
steht,
wie
der
Igel
aus
der
Geschichte,
die
er
mit
dem
Hasen
hat,
die
Frage
nach
der
Wirkung
solcher
realer
Realitäten
und
medialer
Realitäten.
Hat
das
Folgen,
was
man
erst
einmal
annehmen
darf,
aber
dann
eben:
welche?
In
Verbindung
mit
welchen
andern
Faktoren?
Und
ließe
sich
derartige
Gewalt
am
Ende
vielleicht
doch,
was
ein
Reinheitsreflex
in
uns
gelegentlich
auslöst,
einfach
verbieten
und
damit
Schluss
und
aus?
Die
Gewaltdebatte
ruft
stets
die
Puristen
aller
Länder
auf
den
Plan,
jene,
denen
ohnehin
alles
zu
lasch
und
lau
ist
und
die
alles
von
Verboten
erwarten.
1.
Sie
vor
allem
müssen
wir
zunächst
schwer
enttäuschen.
Was
die
reale
Gewalt
angeht,
so
gibt
es
offenbar
so
etwas
wie
einen
Zwang
zur
Gewalt,
ebenso
wohl
auch
eine
Lust
zur
Gewalt.
Immer
schon.
Unausrottbar.
Wir
haben
es,
was
die
Gewalt
betrifft,
nicht
mit
einem
neuen
Phänomen
zu
tun,
wie
man
manchmal
zu
glauben
scheint.
Gewalt
ist
immer
schon
da.
Sie
ist,
was
man
eine
Art
von
anthropologischer
Konstante
nennen
könnte.
Indigenisiert.
Zu
den
Konstanten
der
Menschheitsgeschichte
gehört
aber
auch
das
Erschrecken
vor
der
menschlichen
Gewalt.
Das
Erschrecken
darüber,
wozu
der
Mensch
dem
Menschen
gegenüber
fähig
ist.
Es
äußert
sich
allerdings
auf
durchaus
verschiedene
Weise.
Eine
solche
Weise
ist
das
geradezu
freudige
Erschrecken,
freudig
im
Sinne
von
Bewunderung.
Gewalt
ist
immer
auch
als
Stärke
bewundert
worden.
König
wird
lange
Zeit
der
physisch
Stärkste.
Der
Gewalttäter
ist
immer
wieder
als
Held
gesehen
worden.
Als
der
menschliche
Platzhirsch,
in
dessen
Gegenwart
die
Verhältnisse
klar
sind.
Das
Oben
und
der
Rest.
Und
überdies
hilft
es
zur
Ordnung.
Der
Starke
ist
zugleich
derjenige,
an
dem
die
Schwachen
sich
ausrichten
können.
Mit
Feuer
und
Schwert,
immer
gestützt
von
einem
Netzwerk
der
Bewunderer.
Ein
Blick
in
die
Geschichte
der
Völker
und
ihrer
Politik,
der
Religionen
und
ihrer
Erscheinungsformen
fördert
unzählige
Beispiele
für
Fälle
bewunderter
Gewalt
zu
tage.
Römische
Kaiser.
Fränkische
Kreuzritter.
Spanische
Konquistatoren.
Stalinisten.
Faschisten.
Mafiosi.
Terroristen.
Gewalt,
die
man
bewundert,
setzt
Emotionen
frei.
Emotionen
sind
sehr
stabil,
belastbar.
Man
kann
sich
ihrer
bedienen.
Die
bewunderten
Gewalttäter
machen
davon
reichlich
Gebrauch.
Das
Erschrecken
über
Gewalt,
die
Menschen
von
Menschen
angetan
wird,
äußert
sich
jedoch
auch
schon
in
den
frühesten
Zeugnissen
auf
eine
entgegengesetzte
Weise:
Als
Widerwillen,
als
Ekel,
als
Entsetzen.
Hier
treffen
wir
nicht
nur
Pädagogen,
Politiker,
Mütter,
sondern
auch
Tierschützer,
Pazifisten
und
Gegner
der
Todesstrafe.
Ich
verweise
auf
die
verschiedenen
Formen
des
Pazifismus,
auf
Kampagnen
gegen
die
Todesstrafe,
ganz
allgemein
auf
Albert
Schweitzers
Bemerkung
"Ethik
ist
ins
Grenzenlose
erweiterte
Verantwortung
gegen
alles,
was
lebt".
Oder
noch
berühmter
und
vollständig
zitiert:
"Ethik
ist
Ehrfurcht
vor
dem
Willen
zum
Leben
in
mir
und
außer
mir"
–
was
übrigens
auch
das
Leben
der
Tiere
meint.
Die
ethische
Bemühung,
so
sie
denn
überhaupt
noch
ernsthaft
stattfindet,
kann,
wie
man
etwa
bei
Richard
Rorty
nachlesen
kann,
geradezu
fokussiert
werden
auf
eine
permanente
Reduzierung
der
Grausamkeit
und
der
Demütigung.
Nicht
anders
ist
der
ethische
Ansatz
der
Negativen
Dialektik
von
Horkheimer
und
Adorno
zu
verstehen.
Nicht
im
Sinne
eines
Ziels,
wohl
aber
als
konkretes
Handeln.
Beide
Reaktionen
auf
Gewalt,
Bewunderung
und
Abscheu,
stehen
freilich
nicht
gleichwertig
nebeneinander,
gewissermaßen
wie
Optionen,
derer
man
sich
bei
Bedarf
bedient.
Es
gibt
in
den
Ländern
mit
einer
Art
von
Zivilgesellschaft
heute
einen
mindestens
theoretischen
Konsens
in
der
Auffassung,
dass
Gewalt
ein
untaugliches
Mittel
sei,
um
Probleme
–
welche
auch
immer
–
zu
lösen.
Diese
Annahme
hat
z.
B.
längst
Eingang
gefunden
in
das
Handeln
der
Vereinten
Nationen.
Das
ist
ein
Fortschritt
im
Vergleich
zu
früheren
Jahrhunderten.
Wirklich:
ein
Fortschritt!
Doch
die
Ächtung
–
einschließlich
der
Gewalterlaubnis
für
den
Staat,
dem
sog.
Gewaltmonopol
–
ist
nur
die
eine
und
durchaus
glänzendere
Seite
der
Medaille.
Die
andere
Seite
ist,
dass
es
trotz
solcher
prinzipiellen
Ächtung
jede
Menge
von
Gewalt
auch
in
solchen
Gesellschaften
gibt,
die
sich
für
aufgeklärt,
für
zivilisiert
erklären
würden.
In
denen
Gewaltlosigkeit
fast
im
Range
eines
gesellschaftlichen
Wertes
steht.
Wie
kommt
es
dazu,
dass
der
Wertekanon
und
die
Realität
nach
wie
vor
so
weit
auseinander
liegen
können?
Fast
ist
man
geneigt,
das
Postulat,
dass
es
auch
ohne
Gewalt
geht,
für
eine
Illusion
zu
halten
und
sich
auf
die
griechische
Pädagogenregel
zu
besinnen,
dass
der
nicht
geschundene
Mensch
auch
nicht
erzogen
werden
könne.
Brauchen
Menschen
nicht
nur
Liebe,
sondern
auch
immer
wieder
die
Abreibung?
Gibt
es
eine
Gier
nach
Brutalität?
Die
Suche
nach
dem
Blutrausch?
Sind
Sadismus
und
Masochismus
und
beide
verbunden
nur
die
Spitze
eines
Eisbergs?
Weshalb
hat
die
Gewalt
in
der
Gesellschaft
immer
wieder
eine
Chance?
Was
macht
sie
bei
aller
Ächtung
so
unentbehrlich,
so
attraktiv?
Weshalb
lebt
auch
ihre
Bewunderung
so
rasch
wieder
auf?
2.
Diese
interessanten
Fragen
nach
den
Momenten
in
der
Gewalt,
die
nicht
tot
zu
kriegen
sind,
werden
von
Kulturwissenschaftlern,
von
Anthropologen,
von
Ethnologen,
von
der
forensischen
Psychiatrie
permanent
behandelt
und
beantwortet
und
permanent
neu
gestellt.
Ich
bin
nichts
von
alledem.
Ich
nenne
diese
Gesichtspunkte
hier
nur,
um
ganz
grob
das
Feld
zu
skizzieren,
auf
dem
jenes
aus-
und
eingrenzbare
Stück
Gewaltdebatte
spielt,
das
mit
Medien
zu
tun
hat.
3.
Gewalt
begegnet
mir
in
den
Medien,
in
ihren
Produkten
naturgemäß
nicht
als
reale
Gewalt,
sondern
als
dargestellte
Gewalt
–
solche
mit
Realitätsbezug,
also
von
Journalisten
aufgenommen
und
weitergegeben;
und
solche,
die
erscheint.
Es
sind
die
Terrorszenen
aus
dem
Nahen
Osten
und
die
Schläge
der
Wärter
in
Oliver
Hirschbiegels
Kinofilm
Das
Experiment.
Es
sind
die
Ausschreitungen
zum
und
am
1.
Mai
und
die
letzten
zehn
Minuten
in
dem
Film
Panic
Room.
Programmverantwortliche,
Zuschauer
und
sogar
Kritiker
finden
daran
zunächst
nichts
Anstößiges.
Dabei
müsste
mindestens
auffallen,
dass
auch
in
den
Gesellschaften,
die
Gewalt
ächten,
die
Darstellung
von
Gewalt
keineswegs
geächtet
ist.
Für
die
Presse
gibt
es
in
Deutschland
so
gut
wie
keine
Beschränkungen.
Für
das
Kino
gilt
die
Spruchpraxis
der
FSK,
die,
nicht
zuletzt
mit
Blick
auf
das,
was
man
"Gewalthaltigkeit"
nennt,
die
Filme
in
12-er
und
16-Filme
klassifiziert.
Im
Fernsehen
gibt
es
in
ihrer
Wirkung
immer
einmal
wieder
angezweifelte
Sendezeitgrenzen.
Um
die
Jugend
zu
schützen.
Und
demnächst,
wenn
alles
vollends
digital
wird,
wird
es
für
die
einschlägigen
Programme
eine
Vorsperre
geben,
die
den
Zugang
für
Jugendliche
verhindern
soll.
Aber
es
gibt
nur
ein
Bemühen
um
Reduzierung
des
Zugangs.
Es
gibt
kein
Gesetz,
keine
Vorschrift,
auch
keine
Verabredung
in
eine
Richtung,
die
dies
alles
erledigen
würde,
also
weder
ein
Verbot
von
noch
ein
Verzicht
auf
dargestellte
Gewalt.
Stattdessen:
jede
Menge
Gewalt
in
allen
Medien!
Fast
kann
man
einen
umgekehrten
Eindruck
gewinnen.
Fast
scheint
es
so,
als
sei
genau
in
den
Gesellschaften,
die
Gewalt
prinzipiell
ächten,
die
mediale
Gewalt
viel
präsenter
als
in
Gesellschaften,
in
denen
Gewalt
real
präsenter
ist
als
etwa
in
Deutschland.
Für
die
Mediengesellschaft
Deutschland
jedenfalls
trifft
dies
wohl
zu.
Und
für
vergleichbare
Gesellschaften,
für
Frankreich,
für
England,
für
die
USA
ebenfalls.
Nun
wird
jeder,
der
sich
für
aufgeklärt
hält,
leicht
zustimmen,
dass
sich
die
Medien
nicht
unschuldiger,
nicht
gewaltfreier
geben
können,
als
es
die
Gesellschaft
ist,
in
der
sie
agieren.
Schon
allein
die
Forderung
an
die
Medien
–
sie
findet
sich
auch
in
Gesetzestexten
–
die
Wirklichkeit
so
gut
es
geht,
zu
zeigen,
führt
dazu,
dass
Gewalt
gezeigt
werden
muss.
Alles
andere
wäre
Manipulation
und
würde
alsbald
zu
dem
bekannten
Vorwurf
führen,
man
zeige
nur
eine
heile
Welt.
Selbst
mit
Bezug
auf
Kinder
und
Jugendliche
wäre
ein
gewaltfreies
Programm
der
untaugliche
Versuch,
in
einem
wichtigen
Punkt
vom
Leben
abzulenken.
Daraus
folgt:
Nicht
der
Umstand,
dass
es
Gewalt
–
ob
geächtet
oder nicht
-
nicht
nur
in
der
Gesellschaft,
sondern
auch
im
Fernsehen
gibt,
ist
ein
Problem.
Ein
Problem
wäre
erstens,
wenn
es
nicht
so
wäre
–
doch
das
ist
reine
Theorie.
Ein
Problem
ist
nun
aber
zweitens
und
vor
allem
die
Quantität
und
die
Qualität
der
gezeigten,
der
dargestellten
Gewalt.
Ein
Problem
ist
die
Proportion,
ist
die
Angemessenheit.
Und
zwar
in
der
erwähnten
zweifachen
Hinsicht.
Angemessenheit
in
der
Menge
von
Gewalt
–
gibt
es
zuviel?
Und
Angemessenheit
in
der
Art
und
Weise,
wie
und
warum
Gewalt
gezeigt
wird.
Ist
sie
begründbar?
4.
Der
eine
oder
andere
wird
nun
darauf
warten,
dass
ich
darstelle,
welche
Mengen
von
Gewalthandlungen
–
fiktionalen
wie
real
geschöpften
–
die
Fernsehprogramme
derzeit
prägen.
So,
wie
dies
der
"Spiegel"
letzte
Woche
in
Form
einer
Stichprobe
einmal
wieder
gemacht
hat
und
so
wie
es
viele
Untersuchungen
über
Jahrzehnte
hin
immer
wieder
gemacht
haben.
Ich
verzichte
darauf.
Die
Zahlen
sind
nicht
nur
nicht
mehr
ganz
frisch.
Sie
klingen
–
alt
oder
neu
-
stets
so
beeindruckend
wie
sie
am
Ende
abstrakt
bleiben.
Man
kann
sich
etwa
unter
der
Mitteilung,
dass
es
pro
Stunde
fünf
aggressive
Handlungen
gibt,
so
recht
nichts
vorstellen,
wenn
man
die
Handlungen
selbst
nicht
sieht
und
sie
nicht
korrellieren
kann
mit
dem,
was
drum
herum
passiert.
Ich
verzichte
also
auf
Daten
–
ohnehin
hat
die
empirische
Sozialforschung
die
Gewaltdebatte
zu
lange
dominiert
und
den
Blick
auf
wichtige
Fragen
verstellt
–
und
belasse
es
bei
der
jederzeit
belegbaren
Feststellung:
Gewalt
ist
ein
prägendes
Moment
in
der
Abteilung
Fiktion
so
gut
wie
der
in
der
Abteilung
"Darstellung
der
Wirklichkeit".
Sie
begegnet
uns
in
nahezu
allen
Genres
und
Formaten,
vom
Sport
bis
zum
Spiel,
von
der
Nachricht
bis
zum
Trailor.
Gewalt
ist
ein
mindestens
in
der
Quantität
wichtiger
Bestandteil
eines
wichtigen
Teils
des
Fernsehens.
Gewichtet
man
nun
den
allgemeinen
Befund,
dann
muss
man
ergänzen:
Gewaltszenen
kommen
vor
allem
in
Programmen
vor,
die
der
Unterhaltung
dienen
sollen.
Daraus
darf
man
den
Schluss
ziehen:
Gewalt
unterhält.
Ist
Futter
für
die
Schaulust.
Gewalt
kommt
vor
allem
in
der
Primetime
vor,
also
in
dem
Zeitabschnitt,
in
dem
die
meisten
Zuschauer
gemessen
werden,
zwischen
18.00
und
23.00
Uhr.
Auch
dies
erlaubt
Schlüsse.
Die
Darstellung
von
Gewalt
hat
offenbar
einen
nahezu
konstitutiven,
jedenfalls
einen
höchst
attraktiven
Wert
für
fiktionale
Fernsehprogramme,
die
sich
an
die
Masse
der
Zuschauer
richten.
Gewalt
wird
gezeigt,
Gewalt
wird
nachgefragt,
Gewalt
kommt
an.
Offensichtlich
braucht
man
sie.
5.
Unter
den
vielen
Fragen,
die
einem
bei
einem
solchen
Befund
durch
den
Sinn
gehen,
will
ich
mich
auf
fünf
beschränken:
-
Gibt
es
zuviel
Gewalt
im
Fernsehen?
-
Was
macht
Gewalt
auch
im
Fernsehen
so
unverzichtbar?
Was
macht
sie
attraktiv?
-
Gibt
es
über
den
Umstand
hinaus,
dass
Fernsehen
die
Wirklichkeit
nicht
übermäßig
manipulieren
sollte,
Gründe,
die
das
Zeigen
von
Gewalt
rechtfertigen
könnten?
-
Was
bewirken
solche
Angebote?
–
eine
Frage,
die
ich
tapfer
und
geradezu
trotzig
stelle,
obwohl
niemand
bis
heute
genau
sagen
kann,
was
die
Wirkung
wirklich
ist,
obwohl
diese
Frage
am
Ende
doch
die
einzig
wirklich
interessante
ist.
Und
schließlich:
-
Muss
man
etwas
tun
–
was
kann
man
tun?
Zur
ersten
Frage:
zuviel
Gewalt
im
Fernsehen
oder
nicht?
Generell
liegt
man
nie
daneben,
wenn
man
sagt:
ja,
zuviel.
Doch
diese
Feststellung
besagt
für
sich
genommen
nichts.
Es
kommt
immer
darauf
an,
zu
bestimmen:
wieviel
zuviel
im
Verhältnis
zur
Gewalt
in
der
Gesellschaft
–
immerhin
bildet
Fernsehen
weitgehend
Wirklichkeit
ab
und
stellt
viel
weniger
Wirklichkeit
her
als
viele
glauben.
Doch
für
dieses
Verhältnis
fehlt
es
an
vergleichbaren
Zahlen.
Und
zweitens
und
noch
viel
wichtiger:
zuviel
von
einer
Art
von
Gewalt,
die
verzichtbar
wäre?
Auf
beides
komme
ich
noch
zu
sprechen.
Für
den
Augenblick
halte
ich
fest:
ja,
es
gibt
zuviel
Gewalt
im
Fernsehen,
zuviel
völlig
verzichtbarer,
durch
kein
vernünftiges
Argument
begründbare
Gewalt.
Zweitens:
Was
macht
Gewalt
so
attraktiv
und
faszinierend
–
für
TV-Veranstalter
so
gut
wie
für
das
Publikum?
Ich
spekuliere
hier
nicht
besser
oder
schlechter
als
andere.
Vielleicht
ist
Gewalt
attraktiv,
weil
Gewalt
etwas
so
fabelhaft
Unkompliziertes
hat.
Weil
mit
einem
Schlag,
weil
auf
einen
Schlag
alles
anders
ist.
Denken
wir
nur
an
Alexander
und
den
gordischen
Knoten!
Weil
es
mit
Gewalt
schnell
geht.
Gewalt
bedient
die
Ungeduld.
Das
ist
gut
in
einer
Zeit,
die
keine
hat.
Weil
es
direkt
geht.
Jetzt.
Instant.
Weil
Gewalt
eine
Situation
von
einem
Augenblick
auf
den
andern
ändert.
Gewalt
ist
einfach
einfach.
Gezeigte
Gewalt
folgt
der
aktuellen
Wertschätzung
der
Kurzfristigkeit.
Die
Gründe,
die
Motive
etwa
für
einen
Mord,
für
einen
Amoklauf
mögen
komplex
sein,
gewissermaßen
unergründlich.
Der
Mord
selbst
ist
eine
klare
Sache.
Seine
Realität
ist
leicht
lesbar
für
jeden.
Das
macht
Gewalt
womöglich
besonders
faszinierend
in
einer
Welt,
in
der
das
Gefühl
zunimmt,
dass
die
Unübersichtlichkeit
wächst.
Gewalt
bedient
ein
Bedürfnis
nach
Übersichtlichkeit.
Die
Sprache
mit
Worten
ist
umständlich,
undurchsichtig.
Was
haben
Menschen
im
Sinn,
die
den
Nebensatz
pflegen?
Die
Sprache
der
Gewalt
kennt
keine
Nebensätze.
Der
Worte
sind
genug
gewechselt,
wir
wollen
endlich
Taten
sehen.
Und
Gewalt
im
Fernsehen
ist
leicht
zu
erkennen,
wiederzuerkennen.
Das
ist
wichtig
in
einem
Medium,
das
nicht
zuletzt
vom
Ritual,
vom
déjà
vú
lebt
und
nicht
vom
jederzeit
unerhört
Neuen.
Das
ist
wichtig
für
ein
Medium,
das
nicht
Avantgarde
ist,
sondern
Routinen
ausbildet.
Gewalt
hat
einen
hohen
Wiedererkennungswert.
Die
Art,
wie
sie
inszeniert
wird,
folgt
dem
Klischee
und
setzt
es
neu
in
die
Welt.
In
gewisser
Hinsicht
verhält
es
sich
mit
der
Gewalt
wie
mit
der
Pornographie.
Es
gibt
nur
ein
sehr
begrenztes
Reservoir
an
Einstellungen.
Die
Zahl
der
denkbaren
Bilder
ist
endlich.
Auch
in
völlig
elektronisch
erzeugten
Filmen
wird
auf
dieselbe
altmodische
Weise
geprügelt
wie
zu
Zeiten
von
Alan
Ladd
oder
John
Wayne.
Gewalt
ist
übrigens,
was
für
ein
Massenmedium,
das
ökonomischen
Gesetzen
folgt,
nützlich
ist,
in
der
Darstellung
im
Fernsehen
nicht
schichtenspezifisch.
Reiche
und
Arme
prügeln
sich
auf
dieselbe
Weise.
Obwohl
du
reich
bist,
musst
du
früher
sterben
–
fast
könnte
man
darin
eine
besondere
Botschaft
des
deutschen
Sonntagskrimis
sehen.
Gewalt
erfüllt
in
dieser
Befreiung
vom
Räsonnement
und
der
Kompliziertheit
der
alltäglichen,
kleinen
Verhältnisse
–
die
hat
der
Zuschauer
immerfort
und
jeden
Tag!
–
sie
erfüllt
in
einer
Art
von
Klassenlosigkeit
optimal
die
Sprache,
in
der
ein
Massenmedium
reden
möchte,
das
die
Massen
erreichen
muss.
Diese
Sprache
sind
die
Bilder.
Scheinbar
sonnenklare
Bilder.
Es
ist
die
Bildersprache.
Jeder
weiß,
was
Gewalt
konkret
ist.
Da
gibt
es
nichts
zu
entschlüsseln.
Da
muss
man
nicht
studiert
haben.
Denkt
man,
und
vergisst,
dass
ein
Bild
mehr
sagt
als
tausend
Worte.
Also
am
Ende
noch
komplizierter
sein
kann
als
ein
Wort.
Gedeutet,
gelesen,
erklärt
werden
muss.
Ein
interessanter
Gegensatz.
Vielleicht
ist
ein
weiteres
Moment,
das
Gewalt
faszinierend
macht,
dies:
dass
es
in
der
Umgebung
von
Gewalt
nicht
nur
einfache
Alternativen,
sondern
immer
auch
oder
jedenfalls
sehr
häufig
–
man
denke
an
die
Helden,
die
Bewunderten
-
große
Gefühle
gibt.
Hass
zum
Beispiel
mit
dem
Mord
als
Folge.
Es
ist
nur
Platz
für
einen.
Eifersucht,
die
zur
Waffe
greifen
lässt
seit
Kain
und
Abel.
Man
denkt
an
Sexualität
und
Gewalt,
ein
altes,
finsteres
Paar,
das
sich
immer
wieder
neu
die
Falten
liften
lässt.
Fiktion
im
Kino,
aber
auch
im
Fernsehen
lebt
besonders
gut
von
großen
Gefühlen,
von
der
Erfahrung
von
Grenzen,
von
Gegensätzen,
von
Liebe
und
Hass,
Leben
und
Tod.
Das
ruft
förmlich
nach
dem
Einsatz
von
Gewalt.
Ein
nicht
unbeträchtliches
Quantum
von
Mediengewalt
ist
in
gewisser
Weise
nicht
nur
unverzichtbar,
sondern
auch
unvermeidbar
.
Gewalt,
so
zugespitzt
sie
auch
ist,
so
sehr
sie
die
Gänsehaut
erregt,
so
sehr,
dass
es
für
manche
schwachen
Gemüter
zuviel
wird
–
Gewalt
leistet
einen
gewaltigen
Beitrag
zur
Entspannung.
Fernsehen
selbst
ist
für
viele
ein
Instrument
der
Entspannung.
Insofern
hat
es
die
Gewalt
beim
Zuschauer
gut,
sie
ist
regelrecht
privilegiert.
Ähnlich
übrigens
wie
der
Witz,
der
in
der
Pointe
entspannt.
Auch
der
Witz
mit
den
Unterabteilungen
Humor,
Satire,
Komödie
bringt
alles
mit,
was
die
Entspannung
fördert.
Gleiches
gilt
übrigens
für
die
Musik
und
bestimmte
Sportarten.
Doch
bleiben
wir
bei
der
Gewalt!
Ich
will
für
die
pure
Existenz
von
TV-Gewalt
noch
einen
Grund
erwähnen,
der
uns
mehr
und
mehr
beschäftigen
wird.
Gewalt
ist
sehr
geeignet,
als
eine
Art
von
global
content
gehandelt
zu
werden
–
als
eine
Art
von
überlokaler,
überkultureller
Ware,
die
überall
gleichermaßen
verstanden
und
rezipiert
werden
kann,
übrigens
wieder
ähnlich
wie
Musik
oder
Sport.
Die
Menge
der
TV-Gewalt
ist
auch
ein
Effekt
der
guten
Verkäuflichkeit
solcher
Produkte.
Schon
immer
galt:
Sex
sells.
Aber
eben
auch:
Violence
sells
Excurs.
Was
an
der
dargestellten
Gewalt
so
faszinierend
sein
kann,
beschreibt
Michel
Foucault
in
seinem
schon
1975
erschienen
Buch
"Überwachen
und
Strafen",
in
dem
er
dem
Wandel
von
der
Marter
zur
Strafe,
zur
Disziplin
nachgeht.
Ich
zitiere
ungekürzt
eine
längere
Passage,
jeweils
ergänzt
um
einige
Einordnungen:
"Die
posthume
Kundmachung
der
Verbrechen"
–
ich
füge
ein:
am
Ende
des
18.
Jahrhunderts
–
"rechtfertigte
die
Justiz,
verherrlichte
aber
auch
den
Verbrecher.
Darum
haben
die
Reformer
des
Strafsystems
bald
das
Verbot
der
Fliegenden
Blätter
gefordert.
Darum
hat
man
im
Volk
diesen
niedrigen
und
alltäglichen
Heldensagen
der
Gesetzwidrigkeiten"
–
ich
ergänze:
die
diese
Fliegenden
Blätter
berichtet
haben
–"
ein
so
lebhaftes
Interesse
entgegengebracht.
Und
darum
haben
sie
ihre
Bedeutung
verloren,
als
sich
die
politische
Funktion
der
im
Volk
beheimateten
Gesetzwidrigkeit"
–
ich
ergänze:
nämlich
nicht
mehr
die
Beleidigung
des
Souveräns
durch
die
Marter
sichtbar
zu
machen
–"
änderte. Und
schließlich
sind
sie
verschwunden,
als
sich
eine
ganze
Literatur
des
Verbrechens
entwickelte"
–
ich
ergänze:
die
sich
heute
ins
Fernsehen
fortgeschrieben
hat,
als
Krimi,
als
detective
story
–"Eine
Literatur,
in
der
das
Verbrechen
verherrlicht
wird,
weil
es
eine
der
schönen
Künste
ist"
–
ich
ergänze:
ähnlich
hat
sich
Alfred
Hitchcock
gegenüber
Francois
Truffault
geäußert
–
"weil
es
nur
das
Werk
von
Ausnahmenaturen
sein
kann,
weil
es
die
Monstrosität
der
Starken
und
der
Mächtigen
enthüllt,
weil
auch
die
Ruchlosigkeit
noch
ein
Privileg
ist:
vom
Schauerroman
bis
zu
Quincey,
vom
Schloß
Otranto
bis
zu
Baudelaire
wird
das
Verbrechen
ästhetisch
wiedergegeben,
verwandelt
und
annehmbar
gemacht.
Anscheinend
handelt
es
ich
dabei
um
die
Entdeckung
der
Schönheit
und
der
Größe
des
Verbrechens;
in
Wirklichkeit
ist
es
die
Behauptung,
dass
die
Größe
auch
ein
Recht
auf
das
Verbrechen
hat
und
dieses
sogar
zum
ausschließlichen
Privileg
der
wirklichen
Größe
wird.
Die
schönen
Morde
sind
nichts
für
die
Tagelöhner
der
Gesetzwidrigkeit.
Und
die
mit
Gaboriau
einsetzende
Kriminalliteratur
folgt
auf
diese
erste
Verschiebung:
durch
seine
subtilen
Schliche,
durch
seine
extrem
scharfe
Intelligenz
erhebt
sich
der
Verbrecher
über
jeden
Verdacht;
und
der
Kampf
zwischen
zwei
reinen
Geistern
–
dem
Mörder
und
dem
Detektiv
–
stellt
die
wesentliche
Auseinandersetzung
dar."
Ich
füge
hinzu:
man
erinnere
sich
an
das
"Schweigen
der
Lämmer".
Soweit
Foucault.
Und
für
unsere
Fragestellung
ergibt
sich:
es
ist
das
agonale
Moment,
der
Kampf
zweier
reiner
Größen,
das
so
sehr
fasziniert.
Es
wäre
von
Reiz,
diesen
Ansatz
auch
am
Thema
Sport
und
Sexualität
zu
überprüfen.
Doch
ich
kehre
zurück
zu
meinem
Gedankengang.
Medien
zeigen
seit
Homers
Ilias
und
seit
Kain
und
Abel,
seit
dem
antiken
Theater
Menschen
an
der
Grenze.
Die
antike
Tragödie
führt
tief
in
die
Bereiche
von
Mord
und
Totschlag,
von
Gattenmord
und
Inzest,
von
Herr
und
Knecht,
von
Oben
und
Unten,
von
Leben
und
Tod,
übrigens
auch
von
Gott
und
Mensch,
zwischen
denen
in
der
Antike
Gewalt
einigermaßen
gewöhnlich
ist.
Man
wird
diesen
Stoffen,
die
meist
auch
noch
solche
sind,
die
Mythen
aufgreifen
und
deuten
und
weitererzählen,
nicht
einfach
mit
der
Bemerkung
entgegentreten
können:
da
sie
mit
und
von
Gewalt
handeln,
sind
sie
ein
Stoff,
dessen
Verbreitung
unterbleiben
sollte.
Aber
wie
rechtfertigt
man
sie
–
bis
heute?
Ich
komme
damit
auf
einen
Punkt
der
Differenzierung.
Es
ist
eine
sehr
wichtige
Frage,
in
welchem
Kontext
Gewalt
aufscheint.
Was
sie
zeigen
soll.
Man
darf
Morde,
wie
sie
Alfred
Hitchcock
inszeniert,
nicht
einem
Säuberungsinstinkt
opfern.
Gewalt
in
den
Medien
wie
ein
Problem
zu
diskutieren
heißt
nicht,
eine
Ausstrahlung
der
"Vögel"
zu
verhindern
oder
sie
einfach
einmal
in
die
späte
Nacht
zu
verschieben
oder
"Bonnie
und
Clyde"
auszumustern.
Ein
derartiger
Reinigungsreflex,
ein
solcher
Fundamentalismus
verkennt,
was
heißt:
verkennt?
–
er
wäre
auf
seine
Weise
ein
sublimer
Akt
der
Gewalt.
Jetzt
gegen
Geschichten
und
gegen
Stoffe,
die
dem
Leben
sehr
nahe
stehen
oder
manchmal
sogar
das
Leben
sind.
Es
gab
und
gibt
ja
nicht
nur
Bücherverbrennungen,
es
gab
und
gibt
auch
eine
Art
von
Film-
und
Fernsehverbrennung,
die
auslöschen
möchte,
was
hässlich
ist.
Und
Gewalt
hat
ja
nicht
immer
Größe,
sie
ist,
wenn
man
sie
lange
genug
auf
sich
wirken
lässt,
zumeist
sehr
hässlich.
Diese
Art
des
Umgangs
mit
Film
und
Fernsehen
verwechselt
Analyse
mit
Ausrottung.
Sie
würde,
wenn
man
sie
akzeptieren
würde,
das
Notwendige
und
Unverzichtbare
und
das
Unsägliche
und
Spekulative
in
einem
einzigen
Kapitel
abhandeln,
mit
einem
einzigen
Bade
ausschütten.
Ein
interessanter
aktueller
Fall
ist
die
Ausstrahlung
des
Spielfilms
"Der
Soldat
James
Ryan"
im
Fernsehen.
Es
handelt
sich
erkennbar
um
einen
Anti-Kriegsfilm.
Auch
deshalb
wurden
furchtbare
Szenen
gedreht,
wie
sie
bei
einem
Landemanöver
beobachtet
werden.
Unter
den
Jugendschützern
ist
nun
ein
Streit
darüber
entbrannt,
ob
man
diesen
Film
schon
um
20.15
Uhr
ausstrahlen
dürfe.
Ja,
sagten
die
einen.
Man
muss
den
Krieg
zeigen,
wie
er
ist.
Das
hat
etwas
Abschreckend-Heilsames.
Nein,
sagten
die
anderen,
das
verstört
Kinder.
Das
können
sie
nicht
verarbeiten.
Recht
haben
vermutlich
beide.
Die
Sache
wird
noch
verhandelt.
Auch
Oliver
Stones
"Natural
Born
Killers"
ist
ein
Beispiel
für
diese
Debatte,
seit
er
als
eine
Vorlage
für
das
Massaker
von
Littleton
genommen
wird,
seit
Oliver
Stone
von
John
Grisham,
allerdings
erfolglos,
auf
Schadenersatz
verklagt
wurde.
In
der
Gewaltdebatte
aber
geht
es
nicht
nur
um
die
unvermeidliche,
sondern
auch
um
die
unsägliche
Gewalt.
Unsäglich
nenne
ich
eine
Art
von
Gewalt,
die
Geschichten
oder
Geschehnissen
aufgepfropft
wird,
obwohl
diese
Geschichten
und
Geschehnisse
auch
ohne
sie
plausibel
wären.
Nicht
Shakespeare
und
die
Blutspuren
in
seinen
Königsdramen
sind
das
Problem,
sondern
Bpictures
oder
TV-Movies
aus
der
zweiten
Liga,
denen
die
Menschen
allenfalls
deshalb
zuschauen,
weil
sie
arm
an
Handlung
und
gleichwohl
reich
an
Gewalt
sind,
einer
Gewalt
für
den
Zeitvertreib,
einer
Gewalt
als
einer
fast
willkürlichen
Hinzufügung,
nicht
als
Teil
der
Geschichte,
als
etwas
unbegründet
Aufgesetztes.
Kurz:
Gewalt
ohne
Kontext.
So,
wie
Sexualität
ohne
Kontext
in
aller
Regel
Pornographie
ist,
ist
Gewalt
ohne
Kontext
eine
Obszönität.
Natürlich
lebt
auch
diese
Art
von
Gewalt
vom
Nimbus
der
Gewalt,
die
man
zeigen
muss.
Sie
lebt
von
der
Behauptung,
dasselbe
zu
sein.
Dabei
ist
sie
ein
billiger
Etikettenschwindel.
Man
merkt
ihn
zum
Beispiel,
wenn
man
ein
Genre
mustert,
das
für
Gewalt
geradezu
prädestiniert
scheint:
den
Western.
Ein
Beispiel:
Indianer,
die
wir
nie
zuvor
gesehen
haben,
purzeln
erschossen
vom
Pferd.
Das
ist
Gewalt
als
Gewürz.
Der
Showdown
in
High
Noon
wirkt
ohne
seinen
Kontext
wie
eine
Szene
aus
dem
Schlachthaus.
Als
atavistisches
Ritual
jedoch,
in
dem
der
letzte
Gang
zwischen
Gut
und
Böse
inszeniert
wird
–
und
das
Gute
siegt
–
so
gesehen
und
entschlüsselt
ist
High
Noon
ein
Lehrstück
des
Widerstandes
gegen
Gesetzlosigkeit.
Gewalt
ohne
Kontext,
ohne
Erklärung
ist
das
kritische
Stück
der
Gewaltdebatte.
Die
billige
Gewalt.
Sie
ist
das
Problem.
Davon
gibt
es
nicht
nur
zuviel.
Sie
ist
immer
überflüssig.
Ich
habe
damit
die
Frage,
ob
es
Gründe
gibt,
Gewalt
zu
zeigen,
schon
halbwegs
beantwortet.
Ich
habe
dies
bejaht
mit
der
Feststellung,
dass
man
unterscheiden
muss
und
auch
kann,
ob
es
sich
um
spekulative,
um
willkürliche,
um
unmotivierte
Gewalt,
um
Gewalt
als
ein
Genussmittel
oder
ob
es
sich
um
eine
Art
von
Gewalt
handelt,
die
konstitutiv
für
eine
Geschichte
ist.
Damit
ist
allerdings
erst
die
Gewalt
gerechtfertigt.
Noch
nicht
die
Geschichte.
Auch
sie
braucht
Plausibilität.
Diese
Einordnung
gilt
gleichermaßen
für
das
Zeigen
von
nicht-fiktionaler
Gewalt,
also
für
journalistische
Genres.
Wer
über
den
Krieg
berichtet,
muss
den
Krieg
auch
zeigen.
Dass
dazu
im
Einzelfall
ein
hohes
Maß
an
Sensibilität
den
Opfern
gegenüber
gehört,
ist
richtig.
Das
gilt
auch
für
Verbrechen.
Oder
für
die
Reportage
über
eine
Hinrichtung.
Es
gab
die
Absicht,
die
Hinrichtung
des
Terroristen
McVeigh
aus
Oklahoma
vor
einem
Jahr
im
Fernsehen
zu
zeigen
Es
ist
nicht
dazu
gekommen.
In
Deutschland
hätten
wir
dies
untersagt.
Freilich:
was
kontextfreie,
was
überflüssige
Gewalt
ist,
ist
natürlich
so
klar
nicht,
wie
ich
es
beim
Sortieren
am
grünen
Tisch
scheint.
Darüber
gibt
es
Streit.
Die
Gewaltdebatte
ist,
wenn
sie
denn
allmählich
in
Gang
gekommen
ist,
in
aller
Regel
beherrscht
vom
Streit
darüber,
was
überflüssig
und
was
akzeptabel
oder
gar
notwendig
ist.
Die
Positionen,
die
hier
vertreten
werden,
sind,
wie
auch
sonst
im
Leben,
gekennzeichnet
von
Interessen.
Kennt
man
sie,
dann
kennt
man
in
der
Regel
auch
das
Ergebnis
des
Streits.
Doch
weshalb
kommt
es
überhaupt
zum
Streit?
Warum
regt
sich
der
eine
so
auf
über
das
Unsägliche?
Warum
erkennt
er
nicht,
das
sich
auch
unsägliche
Gewalt
versendet?
Er
regt
sich
auf,
weil
er
die
Wirkung
im
Auge
hat,
nicht
die
auf
ihn
übrigens,
er
ist
in
der
Regel
ein
ganz
Immuner,
sondern
die
auf
andere.
Oder,
weil
er
nun
wirklich
für
andere
denkt,
vor
allem
für
Kinder
eine
besondere
Verantwortung
trägt
oder
den
gesellschaftlichen
Effekt
ernst
nimmt.
Entsprechend
ist
die
Diskussion
über
die
unsägliche
Gewalt
meist
mit
ähnlichen
Berufen
besetzt:
Pädagogen,
Politiker
und
die
unvermeidlichen
empirischen
Medienwissenschaftler,
für
die
nur
zählt,
was
man
auch
zählen
kann.
Wenden
wir
uns
also
der
Frage
nach
der
Wirkung
zu,
also
der
eigentlich
spannenden
Frage,
wenn
von
Gewalt
im
Fernsehen
die
Rede
ist.
Es
gibt
nicht
viele
Fragen,
die
in
der
Medien-
und
Sozialwissenschaft
mit
solcher
Leidenschaft
und
zugleich
bis
heute
auf
einer
Grundlage
von
so
wenig
belastbaren
Argumenten
und
Daten
geführt
worden
ist.
Berühmt
wurde
zum
Beispiel
die
Hypothese
von
der
reinigenden
Kraft
der
Gewaltdarstellung.
Man
nennt
sie
auch
die
Katharsis-Hypothese.
Mit
ihr
wurde
behauptet,
dass
Zuschauer,
die
Gewalt
konsumieren,
ihre
eigenen
Gewaltpotentiale
in
einem
solchen
Schauakt
gewissermaßen
auflösen
würden.
Sie
fahren
die
Gewalt
ab
–
nicht
in
die
Realität,
sondern
in
die
Fiktion.
Die
Grundidee
folgt
dem,
was
die
griechische
Tragödie
als
Katharsis
ihrer
Zuschauer
im
Auge
gehabt
hat,
die
Reinigung,
die
Läuterung.
Was
man
gewissermaßen
fiktional
hinter
sich
bringt,
muss
man
real
nicht
leisten
–
das
ist
die
etwas
vergröberte
Botschaft,
die
von
dieser
Hypothese
ausgeht.
Sie
hat
eine
populäre
Analogie
in
der
immer
wieder
geäußerten
Auffassung,
die
Kriege
von
heute
fänden
in
den
Sportstadien
statt
–
dort
breche
sich
die
Aggression
Bahn,
halbwegs
domestiziert
und
nur
gelegentlich
entgleisend.
Und
mache
Kriege
überflüssig.
Dieses
Argument
hat
zweifellos
Momente
der
Verniedlichung
an
sich.
Man
muss
nur
die
Opfer
von
Hooligans
fragen.
Ich
halte
nicht
besonders
viel
von
dieser
Hypothese,
obwohl
sie
von
durchaus
renommierten
Wissenschaftlern
ins
Spiel
gebracht
worden
ist.
Ihren
wesentlichen
Mangel
sehe
ich
darin,
dass
sie
von
vornherein
eine
festliegende
Quantität
von
Gewalt,
ein
fixiertes
Quantum
unterstellt,
das
man
entweder
auf
diese
oder
auf
jene
Weise
abarbeitet,
fiktional
oder
real.
Es
ist
ein
sehr
statisches
Verständnis
von
Aggression
im
Spiel,
die
man
wie
eine
Explosion
abfährt,
gewissermaßen
abfackelt
–
und
dann
ist
Ruhe.
Sicher
gibt
es
solche
Phänomene
und
sogar
einzelne
Fälle
von
Spannung
und
Entladung.
Aber
doch
überwiegend
in
der
Natur.
Im
Gewitter.
Es
wäre
zuletzt
doch
merkwürdig,
wenn
der
Mensch
ähnlich
ans
Werk
ginge.
Wenn
er
ähnlich
funktionieren
würde.
Der
Mensch
lebt
anders.
Jedenfalls
nicht
natürlich.
Das
ungefähre
Gegenteil
dieser
Katharsis-Hypothese
bietet
die
Hypothese
von
der
Imitation.
Sie
unterstellt,
dass
fiktionale,
mediale
Gewalt
erst
dort
zu
sich
selbst
kommt,
wo
der
Zuschauer
sie
real
umsetzt,
nachahmt.
Dies
ist
die
gängige,
geradezu
volkstümliche
–
populäre
wie
populistische
–
Anschauung
über
den
im
Grunde
monokausalen
Wirkprozess
medialer
Gewalt.
Sie
bekommt
immer
wieder
Nahrung,
wenn
spektakuläre
Verbrechen
unter
ausdrücklichem
Bezug
der
Täter
auf
mediale
Gewalt
begangen
werden.
"Ich
habe
das
im
Fernsehen
gesehen",
sagen
sie
und
lösen
damit
einen
öffentlichen
Reflex
aus,
der
heißt:
Haben
wir
das
nicht
immer
schon
gesagt!
Schafft
das
Fernsehen
ab!
Auch
diese
Hypothese
halte
ich
für
nicht
überzeugend.
Dabei
halte
ich
nicht
den
Faktor
Nachahmung
für
das
Problem.
Nachahmung
wird
es
im
auch
im
Kontext
von
Gewaltdarstellungen
im
Fernsehen
in
einem
Umfang
geben,
wie
es
sie
auch
sonst
gibt.
Die
Berufung
auf
Vorbilder
ist
wohlfeil.
Alles,
was
es
gibt,
findet
irgendwann
Nachahmung.
Positives
ebenso
wie
Negatives.
Aber
es
ist
absurd
zu
behaupten,
Fernsehen
stimuliere
geradezu
zur
Gewalt,
fördere
das
einzelne
Verbrechen.
Man
müsste
dann
Ähnliches
vom
Straßenverkehr
sagen
oder
vom
Leben
auf
dem
Schulhof.
Aus
guten
Gründen
ist
bisher
noch
niemand
auf
solche
Ideen
gekommen.
Eher
macht
die
Imitationshypothese
Sinn,
wenn
man
sie
auf
den
Kopf
stellt.
Fernsehen
imitiert
die
Wirklichkeit,
greift
sich
–
die
Autoren
tun
dies
–
Geschichten
und
Macharten,
die
in
der
Gesellschaft
vorkommen
und
Interesse
finden.
Viele
Fernsehspiele
haben
einen
realen
Kern.
Doch
auch
hier
gilt:
die
Transformation
von
der
Wirklichkeit
ins
Medium
folgt
nicht
dem
Gedanken
der
Abbildung.
Das
würde
schon
daran
seine
Grenze
finden,
dass
Fernsehen
immer
verkürzen
muss.
Wichtiger
und
weiterführend
erscheint
mir
eine
Überlegung,
die
auf
die
Annahme
einer
1:1-Anwendung,
in
beiden
Richtungen,
verzichtet
und
sich
stattdessen,
vorsichtiger,
mit
der
Frage
befasst,
ob
es
so
etwas
wie
ein
fernsehgestütztes
Klima
für
Gewalt
geben
könnte.
Damit
komme
ich
zu
der
dritten
Hypothese,
die
eine
Rolle
spielt,
zur
Verstärkungstheorie.
Sie
unterstellt,
dass
viel
Gewalt
im
Fernsehen
auch
die
Gewaltbereitschaft
in
der
Gesellschaft
beeinflusst.
Wobei
allerdings
auch
immer
das
Umgekehrte
gilt.
An
dieser
Theorie
ist
insofern
etwas
Überzeugendes,
als
sie
sich
im
Kontext
der
Annahme
bewegt,
dass
Fernsehen
bei
der
Ausbildung
und
Stützung
von
Werten,
Haltungen,
Moden
und
Trends,
im
agenda
setting,
eine
wichtige
Rolle
spielt.
Diese
Annahme
ist
weithin
unstrittig
und
sie
gilt
selbstverständlich
nicht
nur
für
Musikstile
oder
die
Inszenierung
von
Politik,
sie
gilt
auch
für
den
Bereich
der
Gewaltdarstellung.
Wenn
Gewalt
gewöhnlich
und
normal
wird,
wenn
einem
geradezu
etwas
fehlt,
wenn
sie
nicht
zu
sehen
ist,
dann
darf
man
vermuten,
dass
dies
Einfluss
auf
einen
Grundbestand
an
Einschätzungen
hat,
die
Zuschauer
bei
sich
nach
und
nach
bilden,
nicht
von
heute
auf
morgen,
sondern
langfristig,
nicht
von
einem
Film
unmittelbar
in
die
Realität,
sondern
auf
Umwegen,
abgeschwächt,
verbunden
mit
anderen
Haltungen
und
Einschätzungen.
Wenn
mir
fortgesetzt
vorgespielt
wird,
dass
der
Starke
die
Dinge
zu
seinen
Gunsten
entscheidet,
weil
er
notfalls
zuschlagen
kann,
dann
wird
das
auf
Dauer
eine
Rolle
spielen
auch
für
mich.
Wenn
mir
gezeigt
wird,
dass
der
Gewalttäter
mehr
Aufmerksamkeit
findet
als
seine
Opfer
–
ein
fataler
Trend
übrigens
–,
dann
darf
man
sich
nicht
wundern,
wenn
Täter
so
prominent
und
vorbildhaft
werden
wie
Stars
und
andere
Fixsterne,
an
denen
sich
eine
Gesellschaft
ausrichtet.
Wenn
Gewalt
als
cool
konnotiert
wird,
wird
dies
auch
Einfluss
auf
die
Haltung
solcher
Jugendlicher
nehmen,
denen
daran
liegt,
cool
zu
sein,
cool
zu
empfinden.
Verstärkung
zeigt
sich
auch
in
anderen
Punkten.
Vielseher
zum
Beispiel
sind,
so
weisen
es
Untersuchungen
aus,
in
der
Regel
ängstlicher
als
Menschen,
die
kaum
fernsehen.
Und
gewaltbereiter.
Die
neueste
US-amerikanische
Untersuchung,
über
die
"Science"
in
diesen
Tagen
berichtet
hat
–
sie
hat
ihre
Testpersonen
immerhin
17
Jahre
beobachtet
–,
geht
in
diese
Richtung.
Fernsehen
als
solches
und
noch
vor
aller
Gewalt
macht
offensichtlich
im
Dauerselbstversuch
aggressiv.
Doch
man
kann
die
Dinge
auch
auf
den
Kopf
stellen
–
oder
auf
die
Füße:
aggressive
Menschen,
so
sagen
die
Kritiker
dieser
Studie,
neigen
zu
besonders
ausgreifendem
TV-Konsum.
Ein
Henne-Ei-Problem
liegt
auf
jeden
Fall
vor,
in
der
Regel
ein
Indiz
dafür,
dass
ein
kompliziertes
Feedback-System
in
einer
black
box
wirksam
wird.
Verstärkung
spielt
vor
allem
eine
Rolle
beim
agenda
setting.
Je
mehr
Gewalt,
desto
mehr
der
Eindruck,
man
lebe
in
einer
gewalthaltigen
Welt
und
man
löse
die
Probleme
am
besten
auf
gewaltsame
Weise.
Das
mag
dann
ein
Moment
werden,
das
im
Kontext
von
Amokschützen
herangezogen
werden
darf.
Doch
auch
da
geht
es
nicht
geradewegs
von
der
Ursache
zur
Wirkung.
Alle
monokausalen
Betrachtungen
verkennen
die
Spezifika
der
medialen
Kommunikation.
Der
Verzögerungseffekt.
Das
Kontextproblem.
Die
Kraft
der
Bilder.
Den
Rückkanal.
Man
könnte
geradezu
von
einem
Dauer-feed-back
in
einer
black
box
sprechen.
Es
ist
trotz
aller
Forschungen
in
diese
Richtung
immer
noch
viel
zu
wenig
bekannt
darüber,
wie
Wirkung
sich
aufbaut.
Welche
individuellen
Faktoren
sich
auswirken,
weil
es
empirisch
gesehen
beim
einen
offenbar
wirkt
und
bei
der
anderen
nicht.
Sicher
ist
nur:
im
Kontext
einer
bestimmten
Agenda
fügen
sich
Dinge
zu
neuen
Bildern
und
Einstellungen,
die
zu
Beginn
ihrer
jeweiligen
Karriere
nichts
miteinander
zu
tun
hatten.
6.
Und
schließlich
–
die
Frage
der
Politiker
und
der
Therapeuten
nach
der
Diagnose
–
was
ist
zu
tun?
Das
beste
Mittel
gegen
vermutbare
Risiken
und
Folgen
jeder
Art
von
Gewaltdarstellung,
der
plausiblen
wie
der
kontextfreien,
ist
die
Kompetenz,
zu
durchschauen,
was
sich
abspielt.
Auch
wenn
man
das
Wort
in
die
Inflation
geredet
hat:
Medienkompetenz
also.
Die
Gewaltdebatte
mündet
daher,
wenn
sie
redlich
und
vernünftig
läuft,
früher
oder
später
in
eine
Bildungsdebatte:
in
die
Frage
nach
den
Wirkweisen
von
Bildern,
den
Effekten
einer
Dramaturgie,
den
Ikonen
eines
Massenmediums.
Man
muss
diese
Faktoren
und
ihr
Zusammenspiel
lesen,
man
muss
sie
als
Zuschauer
lesen
und
entschlüsseln
können.
Man
darf
den
Bildern,
die
mehr
sagen
als
tausend
Worte,
nicht
auf
den
Leim
gehen.
Man
muss
die
Suggestion
gelegentlich
durchbrechen,
mindestens
ab
und
zu
innehalten
und
sich
vergewissern,
was
da
gespielt
wird,
ja:
was
gespielt
wird.
Man
muss
sich
um
die
Mittel
der
Inszenierung
kümmern.
Um
die
Ästhetik
der
Bilder.
Das
kann
man
lernen.
Dafür
gibt
es
Lehrer,
so
wie
es
Lehrer
gibt,
die
einem
sagen
können,
wie
ein
Werbespot
funktioniert.
Nicht
zu
viele
Lehrer,
das
ist
richtig,
aber
immer
mehr.
Mit
diesem
Lernen
muss
man
früh
anfangen.
Im
Kindergarten
am
besten,
in
der
Vorschule,
und
es
braucht
Einrichtungen,
die
auch
Eltern
erklären,
was
sie
ihren
Kindern
erklären
könnten,
wenn
sie
denn
dazu
überhaupt
willens
und
in
der
Lage
sind.
Gefahren
beschwören
ist
nicht
einmal
die
Hälfte
der
Strecke.
Man
muss
sie
bekämpfen,
und
das
tut
man
am
besten
durch
Aufklärung.
Ich
will
damit
nicht
sagen:
jeder
Krimi,
den
man
sich
ansieht,
wird
anschließend
seziert,
auseinandergenommen,
analysiert,
solange,
bis
einem
jede
Lust
vergeht,
je
noch
einmal
einen
Krimi
zu
sehen.
Fernsehen
lernen
hat
den
Effekt,
dass
das
Fernsehen
am
Ende
besser
dasteht
als
vorher:
als
ein
unglaublich
interessantes
Medium,
als
ein
Fenster
zur
Welt,
die
manchmal
voller
Gewalt
ist.
Medienkompetenz
hat
nicht
das
Ziel,
sich
am
Ende
des
Tages
fernsehfrei
zu
setzen,
sondern
sie
schafft
die
Möglichkeit,
sich
des
Fernsehens
auf
angemessene
und
auf
angenehme
Weise
zu
bedienen,
die
Bilder
zu
verstehen
und
zu
nutzen.
7.
Ich
habe
mich
bis
jetzt
überwiegend
auf
Fernsehen
bezogen.
Doch
die
Gewaltdebatte,
wie
sie
nach
der
Bluttat
von
Erfurt
wieder
in
Gang
gekommen
ist,
verlangt
geradezu
danach,
dass
man
sie
nicht
medienspezifisch
führt.
Nicht
einmal
so,
dass
man
die
Medien
insgesamt
aufruft
und
abarbeitet.
Erlauben
Sie
mir
daher
zum
Schluss,
auch
als
eine
Art
von
Zusammenfassung,
noch
einige
Bemerkungen,
die
den
Sachverhalt
in
einen
etwas
größeren
Kontext
einfügen.
Sie
schließen
explizit
auch
die
Lücke
zum
Stichwort
Medienethik.
Rang
und
Rolle
von
Gewalt,
von
Aggression
sind
ein
zentrales
Thema,
wenn
es
um
Kultur
und
Zivilisation,
wenn
es
um
eine
mit
der
Vorstellung
von
der
Würde
des
Menschen
verbundene
Anthropologie,
um
ein
bestimmtes
Menschenbild
geht.
Man
verfehlt
diese
Einsicht,
wenn
man
die
Debatte
nur
dann
führt,
wenn
man
dazu
gezwungen
wird.
Theologen
wie
Augustin
oder
Albert
Schweitzer,
Philosophen
wie
Hobbes,
Hegel
oder
Nietzsche,
Soziologen
wie
Durkheim
oder
Weber,
Kulturtheoretiker
wie
Freud
oder
Foucault
beschäftigen
sich
mit
Gewalt
und
sind
je
auf
ihre
Weise
auch
der
Frage
nach
dem
Ursprung,
der
Faszination
und
der
Unausrottbarkeit
der
Gewalt
nachgegangen.
Dieser
Platz
der
Gewalt
im
Denken
und
Handeln
bedeutet:
Immer
schon
war
und
ist
Gewalt
im
Maß
ihrer
"Bedeutung"
für
menschliches
Leben
und
Zusammenleben
ein
Inhalt
der
Medien.
Sie
spielt
eine
wichtige
Rolle
in
den
großen
Mythen
und
Erzählungen
der
Menschheit,
von
den
Dichtungen
Homers
und
den
Texten
des
Alten
Testaments
bis
zu
Grimms
Märchen
und
den
Filmen
von
Francis
C.
Coppola
oder
Martin
Scorsese,
von
den
Dramen
des
Aischylos
bis
zu
den
Gedichten
von
Paul
Celan.
Insoweit
ist
Gewalt
im
engeren
Sinne
auch
immer
schon
ein
Gegenstand
der
Medienkritik.
Sie
führt
jedoch
darüber
weit
hinaus.
Es
ist
unverkennbar,
dass
die
besonders
wirksamen
Entwürfe
für
eine
moderne,
zeitgemäße
Ethik
sich
in
ihren
Zweckvorstellungen
fast
immer
auf
eine
Erhaltung
der
Ordnung
beziehen
–,
Ordnung
im
Sinne
des
kosmos,
als
Gegenentwurf
gegen
Gewalt
und
Aggression,
Chaos
und
Barbarei.
Erinnern
Sie
sich
an
Hobbes
Leviathan
und
seinen
Gedanken
vom
Staat.
John
Bentham
bemüht
sich
um
eine
"Minderung
des
Leidens",
oder,
positiv
gewendet,
um
das
größtmögliche
Glück
der
größtmöglichen
Zahl.
Arthur
Schopenhauer
konzentriert
seinen
Entwurf
auf
den
"Willen
zur
Selbsterhaltung",
Albert
Schweitzer
postuliert
die
"Ehrfurcht
vor
dem
Leben",
Richard
Rorty
das
Prinzip
der
liberalen
Ironikerin,
die
"Verringerung
der
Grausamkeit".
Jede
Diskussion
über
Gewalt
in
der
Gesellschaft,
zu
der
immer
auch
die
Diskussion
über
Gewalt
in
den
Medien
gehört
hat
und
gehört,
ist
im
Sinne
dieses
Zusammenhangs
mit
einer
Ethik
eine
Diskussion
über
die
gesellschaftlich
erwünschten,
über
die
zeitgemäßen
ethischen
Standards,
über
universale
Ideale.
Der
Stellenwert
der
Gewalt
in
einer
Gesellschaft
und
der
Stellenwert
in
ihren
Medien
gibt
über
medienethische
Fragestellungen
hinaus
auch
Auskunft
über
die
herrschenden
minima
moralia.
Die
öffentliche
Besprechung
dieses
Zusammenhangs
ist
ein
wesentlicher
Teil
einer
Wertediskussion.
Auch
deshalb
darf
man
die
Diskussion
über
die
Ursachen
von
Gewalt,
so
verständlich
dies
im
Anblick
von
unerklärbarer
Grausamkeit
auch
sein
mag,
nicht
durch
voreilige
Schlussfolgerungen
oder
unbeweisbare
Schuldzuweisungen
verdunkeln.
Und
schließlich:
Der
Bezug
der
Gewalt
zum
"Bösen"
verweist
auch
darauf,
dass
es
immer
wieder
auch
Grenzen
für
den
Willen
gibt,
individuelle
und
auch
kollektiv
ausgeübte
Gewalt
zu
erklären.
Wenn
das
Böse
ein
"blinder
Fleck
in
der
Gesellschaft"
(Liessmann)
ist,
muss
man
hinnehmen,
dass
Erklärungen
und
Aufklärung
immer
wieder
an
diese
Grenzen
des
Unverfügbaren
und
Unerklärbaren
stößt.
So
verständlich
der
Versuch
ist,
die
Lücke
in
der
Erklärung
umgehend
mit
Vermutungen
oder
gar
Schuldzuweisungen
an
einzelne
gesellschaftliche
Institutionen
und
Agenturen
zu
schließen,
um
damit
das
Unerklärbare
zu
beseitigen
und
insgesamt
zu
beruhigen,
so
wichtig
ist
es,
dieser
Versuchung
nicht
auf
Dauer
zu
erliegen.
Die
Gewaltdebatte
neigt
dazu,
ritualisiert
abzulaufen.
Nach
großer
Empörung
und
schneller
Erklärung
verläuft
sich
das
Thema,
nach
populistischen
Instrumentalisierungen
verliert
es
an
Interesse.
Bis
es
wieder
einen
Anlass
gibt.
Es
wird
interessant
sein
zu
beobachten,
ob
der
11.
September,
ob
das
Datum
Erfurt
dieses
Ritual
auflösen.


Dr.
Norbert
Schneider
Direktor
der
Landesanstalt
für
Medien
NRW,
Düsseldorf,
www.lfm-nrw.de
Siehe
auch:
Gewalt
in
unserer
Gesellschaft
-
Hat
sie
eine
neue
Dimension
erreicht?
Achtung
und
Ächtung
von
Gewalt
Veranstaltung
des
Medienforum
NRW
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